„Wann schauen wir denn endlich den Film an, Mama?“, fragt mein Sohn (4) ungeduldig.

„Sicher gleich“, entgegne ich.

Die Vorsitzende des Verband Familienarbeit e.V., dessen 40-jähriges Bestehen wir heute in Stuttgart feiern, begrüßt derzeit noch die Teilnehmer.

Zu meiner linken rutscht mein großer Sohn auf seinem Stuhl hin und her. Der Tag verspricht für ihn lange zu werden. Zeitgleich quietscht mein Jüngster (1) von rechts und ich überlege mir, wie praktisch es jetzt wäre, Facettenaugen zu haben, wie die Fliegen. Wobei, links und rechts am Kopf je ein Auge zu haben würde schon reichen.

Den ausführlichen Bericht darüber, wie ich an diesem Tag an meine Mama-Grenzen stoße und warum Mutter sein sehr wohl ARBEIT ist, kannst Du hier nachlesen.

Direkt nach der Begrüßung startet der Film.

Anfangs schaut Emil interessiert zu, doch nach einer kurzen Weile vertieft er sich schon in seine Bücher, die er in seinem Köfferchen mit nach Stuttgart gebracht hatte.

Mein eigenes Interesse an dem Film wächst jedoch von Minute zu Minute mehr. Mit großen Augen starre ich auf die Leinwand und sauge jedes Wort in mich auf. Zumindest so gut es mit zwei selbstbetreuten Kindern geht, die regelmäßig ihre Portion „Mama“ einfordern.

Die Vorstandsfrauen und Sprecherinnen des Verband Familienarbeit e.V. flimmern über die weiße Leinwand. Aufnahmen Ende der 1980er / Anfang der 1990er Jahre – Fernsehauftritte in verschiedenen Talkshows, Nachrichten und TV-Formaten.

„Was fordern Sie denn?“ Die Moderatorin des Frühstücksfernsehens wirft Ingrid Gripp von der Deutschen Hausfrauengewerkschaft einen fragenden Blick zu.

„Wir fordern, dass verdeutlicht wird, welche Arbeitsleistung hinter der Hausfrauentätigkeit steckt, und wir fordern auf lange Sicht, dass die Familienarbeit der Erwerbsarbeit gleichgestellt wird […], dass Frauen in ihrem Beruf der Hausfrau entlohnt werden, mit Sozialabgaben, dass Frauen nicht mehr in das große Loch fallen, wenn sie sich für eigene Kinder entscheiden.“ […]

„Entlohnung? Da muss die Frage gestattet sein, wie sie das finanzieren wollen?“ Die Moderatorin grinst Frau Gripp herausfordernd an.

Unglaublich, denke ich. Die gleichen Themen wie HEUTE! Hat sich denn in den 20 Jahren gar nichts verändert?

An der Wirtschaft offenbar nichts, und auch der Staat ist halt einfach froh, wenn er eine zweite Lohnsteuer von der studierten, und dadurch beruflich und finanziell unabhängigen Mutter einstreichen kann.

Das hindert uns als (heute) Verband Familienarbeit e.V. nicht daran, weiterhin für unsere Rechte zu kämpfen:

Wahlfreiheit.

Denn es ist doch so: Der Staat subventioniert einen Krippenplatz mit etwa 1000 Euro monatlich. Dieses Geld könnte man den Familien zuteilwerden lassen, die somit echte Wahlfreiheit hätten, ob sie ihre Kinder selbst betreuen wollen oder die Versorgung außerhäuslich stattfindet.

Hier kannst Du Dir das ganze Video ansehen. Investiere eine gute Stunde und tauche ein in die Welt einiger Kämpferfrauen unseres Verbandes.

Das Video darunter zeigt einen Ausschnitt der Sendung „Talk im Turm“ aus 1994, bei der unsere Kanzlerin Angela Merkel zu Gast war, übrigens auch Alice Schwarzer. Eine brisante Mischung, sei gespannt… 😉