Wenn Schicksalsschläge zur Fügung werden

Wenn Schicksalsschläge zur Fügung werden

Eigentlich wünschen wir uns schon lange mehr Zeit als Familie. Zusammen. Unfreiwillig wird dieser Wunsch nun zur Realität.

Wir leben das klassische Familienmodell: Mann geht arbeiten und Frau ist zu Hause bei den Kindern. Mein Mann arbeitet viel. Sehr viel. Er reißt sich auf gut Deutsch gesagt ein Bein aus, damit es uns gut geht und wir finanziell über die Runden kommen.

Das hat zur Folge, dass wir zwei völlig verschiedene Leben führen, die zu vereinbaren eine echte Herausforderung darstellt und stetes Dranbleiben beider Parteien bedeutet. Während mein Mann den Großteil seines Lebens mit und auf der Arbeit verbringt, arbeite ich hart an der anderen Front, nämlich als Managerin unserer Familie – Kinder, Haushalt, allgemeine Organisation und Finanzen. Zwei Welten, die vor allem abends und am Wochenende aufeinanderprallen.

Wir „Daheimgebliebenen“ sind ein eingespieltes Team. Wir haben unseren Rhythmus (Schlafen, Essen…), der ziemlich durcheinander gewirbelt wird, wenn mein Mann zu Hause ist. Noch dazu, da er die Zeit daheim vor allem für Regenerationszwecke nutzen muss. Kein Wunder, bei der Leistung, die er (voll)bringt. Die vielen Überstunden fordern ihren Tribut. Wer dauerhaft Höchstleistungen erbringt und sich überfordert, zahlt irgendwann den Preis. In unserem Fall einen hohen Preis.

Irgendwie habe ich schon lange gespürt, dass man so nicht auf Dauer gesund bleiben kann. Was sich einstellen würde, das wusste ich natürlich nicht, und ich hätte „so etwas“ in meinen kühnsten (Alp-)Träumen nicht erwartet. Ehrlich? Ich bin geschockt.

Die letzten Wochen waren hart. Mein Mann hatte heftige Schmerzen, keiner wusste, was los ist, keiner wollte / konnte helfen, alle Ärzte schickten ihn wieder weg. Und dann – endlich – die Diagnose. Nun konnten wir zumindest handeln. Eine schwere Operation brachte Linderung und mittel- bzw. langfristig hoffentlich auch dauerhafte Heilung. Eine längere Genesungszeit steht uns jetzt bevor.

Selbst inzwischen hochschwanger, ein kranker, pflegebedürftiger Ehemann zu Hause und ein dreijähriges selbstbetreutes Kleinkind, das gerade erst Erfahrungen mit Rücksichtnahme und Einfühlungsvermögen macht. Bingo.

Die unfreiwillige und schicksalsbedingte „Elternzeit“ wird zur Herausforderung für die ganze Familie.

Nun müssen wir uns neu ordnen. Sortieren. Neue (gemeinsame) Strukturen schaffen, bei denen die Bedürfnisse ALLER Familienmitglieder berücksichtigt und befriedigt werden.

Und dennoch begreife ich die ganze Misere am Ende (auch) als Chance.

Auf der Suche nach dem positiven Aspekt in diesem Alptraum bin ich tatsächlich fündig geworden: Uns wird Zeit geschenkt. Zeit als Familie zusammen. Zwar ist immer mal wieder die Rede davon gewesen, dass mein Mann auch Elternzeit (zumindest die zwei ihm zustehenden Monate) einreichen wollen würde, doch sind wir mal ehrlich… ich weiß nicht, ob es jemals so kommt.

Jetzt aber ist es halt einfach so. Das Schicksal hat entschieden. Unsere Familie bekommt die Möglichkeit, so richtig fest zusammenzuwachsen. Und dafür bin ich dankbar.

Übrigens: Wusstest Du, dass im Chinesischen das Wort KRISE aus zwei Teilen besteht? Der erste Teil symbolisiert ein Risiko bzw. eine Gefahr, der zweite Teil eine Chance.  Nutzen wir die Chance dieser Krise, haben wir das Potential uns weiterzuentwickeln und zu wachsen.

In diesem Sinne…wir wachsen dann mal zusammen. <3

About The Author

Tiefgründiger Skorpion, Tierliebhaber, Reiki-Meister, Indien-Fan, Vegan, Weltenbummler, in einer langfristigen Stillbeziehung, Gegen-den-Strom-Schwimmer, Nach-Alternativen-Suchende, Grüne-Smoothie-Trinkerin, im Herzen ein Flieger. Und nun auch Vorstandsmitglied im Verband Familienarbeit e.V. :-)

1 Comment

  1. „Unsere Familie bekommt die Möglichkeit, so richtig fest zusammenzuwachsen.“
    Das ist in der Regel nicht geplant und unter nicht gerade angenehmen Umständen zustande gekommen.
    Trotzdem erkenne ich einen Wink des Schicksals, als wollte es sagen: „Es gibt neben dem Erwerbsleben ein Familienleben, das für Väter auch wichtig sein kann. Besser wären die Vätermonate, aber es ist vielfach auch eine finanzielle Frage, die besonders Väter beschäftigt.
    Ich habe es besser. Meine Frau und ich haben keine Unterhaltspflichten mehr. Wir leben in der Regelrente und sind erst jetzt so richtig zusammen. Das macht in Bezug zu Familien nachdenklich.