Siehe auch das Video am Ende des Artikels, in dem ich die stabile Seitenlage erkläre und die Wiederbelebung vorführe.

Unfallhergang

Stell Dir vor, Du bist unterwegs und siehst ein paar Meter vor Dir ein Kind auf einem Fahrrad fahren, ordnungsgemäß auf dem Bürgersteig. Für einen Moment nicht aufmerksam kommt es mit dem Vorderrad an die Bürgersteig-Kante, verliert das Gleichgewicht und stürzt. Mitten auf der Straße liegt nun das Fahrrad und neben ihm das Kind, das sich nicht bewegt. Was tun?

  1. Sichere zunächst die Unfallstelle ab. Deine Sicherheit geht jedoch vor, denn es ist niemandem geholfen, wenn Du Dich nun vors nächste Auto stürzt, denn dann kannst Du auch nicht mehr helfen. Ziehe, wenn Du Deine eigene Gesundheit sichergestellt hast, das Kind von der Straße zurück auf den sicheren Bürgersteig.
  2. Stelle fest, ob das Kind bei Bewusstsein ist. Stelle Fragen:
  • „Kannst Du mich hören?“,
  • „Hast Du Schmerzen?“
  • „Was genau ist passiert?“

Die letzte Frage dient vor allem dazu, festzustellen, ob das Kind einen Gedächtnisverlust erlitten hat bei dem Sturz, ob es sich noch orientieren kann, weiß, wie es heißt usw.

  1. Wenn das Kind nicht antwortet, also nicht bei Bewusstsein ist: Prüfe, ob das Kind atmet, indem Du Dein Ohr über den Mund hältst, den Blick zu seinen Füßen gerichtet. Überstrecke den Kopf ein wenig, indem Du die Hand auf die Stirn legst. Mit der anderen Hand berührst Du den Bauch, um zu fühlen, ob es atmet. Tue dies mindestens 10 Sekunden.

 

Kind atmet:

Lege es in die stabile Seitenlage (bei Babys Bauchlage und Kopf nicht überstrecken!), rufe den Notarzt 112 und schildere zuerst, WO ihr euch befindet. Falls die Verbindung unterbrochen wird, kann der Einsatzleiter zumindest Hilfe schicken. Prüfe ständig die Atmung. Falls diese ausfällt, solltest Du schnellstmöglich mit der Wiederbelebung beginnen.

 

Kind atmet nicht oder unregelmäßig:

Bei Säuglingen und Kindern bis etwa 7 Jahre zunächst 5 Mal beatmen und kurz warten. Oft beginnen sie wieder zu atmen. Dann wähle 112. Überprüfe die Atmung ständig bis der Krankenwagen eintrifft. Falls die Atmung erneut stockt oder aufhört, beginne mit der Wiederbelebung. Sollte die Atmung auch nach den fünf Beatmungen nicht wieder einsetzen, beginne direkt mit der Wiederbelebung. Vergiss aber nicht, vorher den Krankenwagen zu rufen, bzw. delegiere (nicht bitten!) die Aufgabe an andere Passanten weiter.

 

Fakten zur Wiederbelebung

Grundsätzlich: Bevor Du die Herz-Lungen-Wiederbelebung startest, ist es wichtig, dass der Krankenwagen unterwegs ist. Entweder hast Du ihn selbst gerufen oder es hat jemand für Dich getan. Schon nach wenigen Minuten wirst Du merken, wie anstrengend eine solche Wiederbelebung ist. Vielleicht gibt es jemanden vor Ort, der die Wiederbelebung ebenfalls beherrscht? Dann habt ihr die Möglichkeit, euch abzuwechseln.

Wiederbelebt werden Menschen, die nicht mehr atmen. Der Puls wird heute (im Gegensatz zu früher) in der Ersten Hilfe nicht mehr kontrolliert, weil ein Laie nicht unbedingt den Puls findet, und dann die Lage unter Umständen ernster einschätzt, als sie tatsächlich ist.

Der entscheidende Unterschied im Vorgehen liegt im Alter des Patienten.

Wiederbelebung bei Erwachsenen:

30 Mal Thoraxkompression, also „drücken“ wechselt sich ab mit 2 Mal Beatmen. Und das, bis der Krankenwagen kommt. Orientiere Dich für den Rhythmus im Takt des Liedes „Pipi Langstrumpf“ oder „Stayin´ Alive“.

Beim Beatmen ist es wichtig, dass entweder Mund oder Nase (das hängt davon ab, was Dir eher zusagt) gut mit Deinem eigenen Mund verschlossen werden. Du musst nicht tief Luft holen und es in den Patienten „reinpusten“, sondern einfach nur ganz normal und tief ausatmen. Und denk daran, den Kopf des Patienten beim Beatmen zu überstrecken, am besten mit Deiner Hand auf seiner Stirn.

Solltest Du bei den Thoraxkompressionen Rippen brechen, so ist das nicht schlimm und passiert ziemlich leicht, also erschrecke Dich nicht, sollte es knacken. Überlege, dass der Patient ohne Deine Hilfe vermutlich nicht überleben würde, also ist eine gebrochene Rippe das geringere Übel. 😉

Der Druckpunkt ist etwa auf der Höhe, wo der Brustkorb endet. Also etwas höher als die Körpermitte des Patienten. An diesem Punkt solltest Du ordentlich drücken, sonst erreichst Du leider gar nichts. Strecke Deine Arme durch und übe Druck von oben (über den Patienten gebeugt) aus, damit Du länger durchhältst, denn Du wirst Durchhaltevermögen brauchen! Siehe hierzu auch das Video am Ende des Artikels.

Wiederbelebung bei Kindern:

Bei Kindern bis etwa 7 Jahre ist es ein wenig anders gelagert.

Hier beginnst Du zunächst mit 5 Mal Beatmen und wartest einen Moment ab. Es kann sein, dass das Kind von selbst wieder beginnt zu atmen. Das kommt sogar recht häufig vor. Erst dann rufe den Krankenwagen.

Sollte das Kind wieder atmen, lege es in die stabile Seitenlage. Teste, ob das bei jüngeren Kindern schon geht, falls nicht, einfach in Bauchlage legen.

Bei ganz Kleinen beatmest Du Mund UND Nase gleichzeitig, also Du legst Deinen Mund über Mund und Nase des Kindes.

Denke daran, den Kopf des Kindes zu überstrecken, bei der Thoraxkompression UND dem Beatmen. Der Punkt für die Thoraxkompression ist wie bei Erwachsenen ein Stück höher als die Körpermitte. Hierbei werden allerdings nur zwei Finger, nämlich Zeige- und Mittelfinger benutzt, und nicht wie bei Erwachsenen beide Handballen.

Wiederbelebung bei Säuglingen:

Die Besonderheit bei Säuglingen ist, dass Du auf keinen Fall den Kopf überstrecken darfst! Ansonsten drückst Du, genau wie bei älteren Kindern, mit Zeige- und Mittelfinger.

Die stabile Seitenlage

Weil ich es schwer finde zu beschreiben, wie die stabile Seitenlage funktioniert, habe ich ein Video aufgenommen. In dem Video erkläre ich, was bei der stabilen Seitenlage grundsätzlich zu beachten ist, und was die Besonderheiten bei Kindern sind. Außerdem gehe ich hier noch einmal anschaulich auf die Wiederbelebung ein: Wann wird wiederbelebt, was ist bei Kindern oder Säuglingen zu beachten, wo liegen die Unterschiede zu erwachsenen Patienten…

Das Video kannst Du Dir direkt hier ansehen:

 

Titelfoto: pixabay – Alexas_Fotos

Foto Stabile Seitenlage und Wiederbelebung: pixabay – Succo