Zähne putzen – 15 Tipps, wie Dein Kind kooperiert

Zähne putzen –  15 Tipps, wie Dein Kind kooperiert

Eines der häufigsten Probleme, das mir in diveren Eltern-Ratgeber-Facebook-Gruppen begegnet, ist das Zähne putzen.

Unser Sohn (3) hat aufgrund einer Antibiotikagabe in unserer Schwangerschaft leider nicht die besten Zähne, weswegen es mir wichtig ist, diese regelmäßig zu pflegen.

Ich denke, wir sind uns einig, dass Zähne putzen gegen den Willen des Kindes zum einen nichts bringt, und zum anderen nicht förderlich ist, um nachhaltig die Beziehung auf Augenhöhe zu leben.

Mein Sohn und ich bilden ein Team. So sehe ich das.

Wichtig ist daher für mich, keinen Druck auszuüben. Zwang führt allerhöchstens zu mieser Stimmung und mangelnder Bereitschaft von Seiten des Kindes überhaupt mitzuarbeiten.

Bei uns läuft es grundsätzlich so: Morgens darf er selbst putzen, abends putze ich. Das hat aktuell noch zur Konsequenz, dass wir so gut wie nur abends putzen. 😉

Ich habe schnell gemerkt, dass ich mit den Phrasen „Zähne putzen ist wichtig“ und „Wer Süßigkeiten essen kann, muss auch Zähne putzen“ oder den Figuren Karius und Baktus nicht weit komme.

Eine andere Lösung musste her.

Also: Was will ein Kleinkind?

Spielen.

Immer.

Also lag die Lösung nahe, aus allem (übrigens funktioniert das wirklich in ALLEN Bereichen) ein Spiel zu machen. So ist Dir die Kooperation gewiss.

Nun füllen wir die graue Theorie mal mit ein paar praktischen Beispielen aus unserem kreativen Fundus:

  • Wir haben verschiedene Zahnpasta mit unterschiedlichen Geschmacksrichtungen zur Auswahl. Daraus machen wir ein Ratespiel: „Rate, welche Zahnpasta das ist“… Zahnbürste in den Mund und los geht die Putzerei.

 

  • Einbeziehen: Funktioniert z.B. mit einer Auswahl an Zahnbürsten: „Möchtest Du die gelbe oder die grüne Zahnbürste benutzen?“ Oder: „Möchtest Du lieber im Bad oder im Wohnzimmer die Zähne putzen?“ Oder: „Möchtest Du die Zahnpasta auf die Zahnbürste geben, oder soll ich das tun?“ All das gibt Deinem Kind das Gefühl, gesehen zu werden, dass ihr auf Augenhöhe seid, Du nicht über seine Grenzen gehst, koste es, was es wolle.

 

  • Auch das Abzählen kommt bei uns super an. Wir legen alle Zahnbürsten vor uns, oder halten sie in der Hand, und los geht’s. Hier unser liebster Abzählreim: Ene mene miste, es rappelt in der Kiste. Ene mene meck, und Du bist weg.

 

  • Seit wir eine elektrische Kinderzahnbürste für uns entdeckt haben, mit integriertem Timer, klappt es sogar manchmal ohne kreative Ergüsse meinerseits. 😉

 

  • Versteckspiele in allen Varianten sind gerade total angesagt. In diesem Spiel verstecken wir Zahnbürsten im Bad: „Die, die Du als erstes findest, mit der putzen wir die Zähne.“

 

  • Oder wir suchen „etwas“ in seinem Mund, z.B. sein Lieblingsspielzeug. Klingt schräg, ich weiß. Die Zahnbürste findet es dann oben recht hinter den Backenzähnen. Zum Beispiel. 😉 „Hat sich das Männchen etwa in Deinem Mund versteckt? Komm, wir schauen mal zusammen.“

 

  • Ein Kuscheltier o.ä. im Bad verstecken und dann gemeinsam auf die Suche gehen. „Komm, wir schauen mal im Waschbecken… in der Waschmaschine… mit der Zahnbürste in deinem Mund…“ 😉

 

  • Zahnteufel wegputzen. Angelehnt an Karius und Baktus, kann man aber bespielen, wie man das möchte. Am besten mitnehmen auf eine Fantasiereise und die Teufelchen beschreiben: Farbe, Aussehen, Geräusche, die sie machen etc., das macht es spannender.

 

  • Apropos Fantasiereise. Unser Sohn liebt es, wenn man ihm Geschichten erzählt, sich welche für ihn, quasi maßgeschneidert, ausdenkt. So gibt es bei uns die Geschichte vom „Emil Hauptbahnhof“. Dort gibt es viele Geschäfte – er erfindet immer wieder neue Läden, die dort eröffnen. So wächst der Bahnhof immer weiter, wird immer größer. Inzwischen gibt es dort auch einen Indoor-Spielplatz oder einen See mit vielen Enten. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Ideal ist es, weil man diese Geschichte fortsetzen kann. Der Effekt einer Soap Opera… Schalten Sie auch morgen wieder ein. ;-D

 

  • Zum Geburtstag haben wir eine Clown-Sanduhr geschenkt bekommen. Solange der Sand durch die Sanduhr rieselt, werden Zähne geputzt. Funktioniert bei uns nicht mehr ideal, ist vielleicht schon zu langweilig. Empfehlung vom Hersteller: ab dem ersten Lebensjahr. Möglicherweise sind die ganz Kleinen noch faszinierter vom Geriesel.

 

  • Rollenspiele sind bei uns derzeit auch sehr beliebt. Wenn ich was „erreichen will“, übernimmt meist ein Kuscheltier: „Welches Kuscheltier darf dir heute die Zähne putzen?“ Die Kooperation und Interaktion mit Spielsachen oder Kuscheltieren ist hier eines der Highlight-Spiele. Egal ob Zähneputzen, Toilettengang, Hände waschen… So haben wir beispielsweise eine Wasserbombe, die im Bad „wohnt“, der ich Augen, eine Nase und einen Mund gemalt habe. Erdi (so der künstlerische Name) schaut immer mit Begeisterung beim Pipi machen zu, da er selbst ja nur ein Gesicht hat. 😉

 

  • Auf unseren Zahnbürsten befinden sich kleine Bilder, die mich auf die Idee gebracht haben, auch diese Figuren zum Leben zu erwecken: „Ich war gerade im Bad, die Affen haben schon nach dir gefragt“…

 

  • Zahnarzt spielen. Da wir (leider aufgrund der Antibiotikagabe in der Schwangerschaft und der daraus resultierenden Zahnprobleme) Stammkunden beim Zahnarzt sind, habe ich begonnen, mit Emil dieses Spiel zu spielen, um ihm den Schrecken vor den benutzten Instrumenten zu nehmen. Gerne beziehen wir hier auch wieder die Kuscheltiere ein, die im Wartezimmer auf ihre Behandlung warten und einer nach dem anderen aufgerufen wird. Ich benutze z.B. eine Nagelfeile, eine Pinzette und ein Pferdefüßchen, die im Spiel zu Lampe, Bohrer, Poliergerät etc. mutieren. Nach der vorsorglichen Überprüfung der Zähne folgt die Zahnprophylaxe, also das Zähne putzen, damit die Zähne auch morgen noch gesund sind. 😉

 

  • Lieblingslied anmachen und für die Dauer des Lieblingsliedes Zähne putzen

 

  • Starte eine Challenge: „Wer zuerst im Bad ist, hat gewonnen“. Oder: „Ich bin als erster im Bad.“ Und dann losrennen. Funktioniert bei uns prima (auch bei Toilettengängen u.ä.).

 

Am besten ist es, du schaffst für Dein Vorhaben ideale Bedingungen.

Dein Kind sollte weder übermüdet sein, noch aus einem anderen Spiel gerissen werden, in das es gerade vertieft ist. Auch solltest Du vorher die Bindung aktivieren, das heißt: Sei präsent, suche den Augenkontakt, suche das Gespräch, zeige Interesse an dem, was es gerade tut, lacht gemeinsam, berührt euch…

Und grundsätzlich gilt: Sollte es aus irgendwelchen Gründen einmal nicht klappen mit dem Zähne putzen: Einmal ist keinmal.

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Tiefgründiger Skorpion, Tierliebhaber, Reiki-Meister, Indien-Fan, Vegan, Weltenbummler, in einer langfristigen Stillbeziehung, Gegen-den-Strom-Schwimmer, Nach-Alternativen-Suchende, Grüne-Smoothie-Trinkerin, im Herzen ein Flieger. Und nun auch Vorstandsmitglied im Verband Familienarbeit e.V. :-)