Meine Söhne Emil (4) und Finn (1) sitzen friedlich auf dem Boden und spielen, scheinbar gemeinsam, Lego Duplo. Ich schaue mir das einen Moment an und entscheide dann, die Ruhe zu nutzen um einen Augenblick durchzuatmen.

Plötzlich wird die Harmonie durch einen gellenden Schrei getrübt. Ich erkenne direkt die Stimme meines Großen, der, als ich dazustoße, giftige Blicke auf den Kleinen wirft.

„Nein, Finn, nein!!“, schreit er.

Und zu mir gewandt:

„Finn hat mir einfach meinen Baustein weggenommen. Schon wieder!“

Kennst Du solche Szenen?

Bisher habe ich mich in diesen Situationen immer dazugesetzt und Finn anderweitig beschäftigt, so dass Emil in Ruhe bauen konnte.

Irgendwie hat mich das aber immer ein wenig traurig gemacht. Welche Mutter wünscht sich nicht, dass sich die beiden Menschen, die man am meisten liebt, vertragen und liebevoll miteinander umgehen?!

Ich mag es nicht, mich entscheiden zu müssen, mit wem ich gerade mehr Zeit verbringe. Und ich freue mich auf den Moment, in dem die Bedürfnisse der beiden gleicher werden und wir alle zusammen spielen.

Ich möchte aber nicht warten, bis sich dieser Moment irgendwann einmal einstellt.

Daher habe ich etwas ausprobiert.

Ich kann vorweg sagen, es hat unseren Familienalltag deutlich erleichtert!

Ich habe meinem Baby meine Stimme geliehen.

Kannst Du Dir darunter etwas vorstellen?

Lass mich Dir davon erzählen, vielleicht wirkt es ja auch bei euch Wunder.

Es ergab sich mal wieder die gleiche Situation: Finn nahm Emil ein Spielzeug aus den Händen. Emil schrie.

Statt Finn dieses Mal wegzuholen, lieh ich ihm einfach meine Stimme.

Ich atmete einen Moment durch und sagte dann mit veränderter Stimme:

„Ich meine das doch nicht böse, Emil. Ich finde einfach soooo toll, was du schon alles kannst, und ich möchte gerne mit dir spielen.“

Emil schaute erst zu Finn, dann zu mir, und wieder zu Finn und sagte:

„Ach so. Schau mal, Du kannst diesen Baustein haben“. Ohne Murren drückte er ihm etwas Buntes in die Hand.

Ich war erstaunt, wie toll das klappt. Das werde ich beibehalten, dachte ich.

Doch was an diesem Tag außerdem bei Emil passierte, man könnte sagen, es ist wie ein Knoten, der geplatzt ist.

Bisher hat er zu Finn wenig Kontakt gesucht. An diesem Tag wollte er aber ständig mit ihm sprechen.

Beim Mittagessen schaute er ihn plötzlich an und sagte: „Weißt Du, Finn, das Leben ist schön!“

Mein Stimmenverleih hat ihm die Welt zu seinem kleinen Bruder geöffnet. Plötzlich war Finn in Emils Augen nicht mehr das Baby, mit dem man eh nichts anfangen kann. Der nur sabbert, brabbelt und durch die Gegend robbt.

Nein, er hatte jetzt eine Möglichkeit gefunden, mit seinem Bruder zu kommunizieren. Über mich.

Inzwischen ist daraus ein echtes Spiel geworden. Emil sucht nun ständig die Nähe seines Bruders und freut sich, mit ihm in Kontakt treten zu können.

Und was das mit meinem Mama-Herz macht? 🙂

Es ist erfüllt, denn es gibt nichts Schöneres, als die beiden Menschen, die ich am meisten auf der Welt liebe, zusammen lachen zu sehen.