2016 war für unsere kleine Familie ein Jahr voller Herausforderungen. Mein Mann war beruflich stark eingespannt und ich wuppte Haushalt, meinen Blog und die Selbstbetreuung unseres zunehmend autonomen Kleinkindes.

Und jetzt rate mal, was dabei völlig auf der Strecke blieb.

Genau. Die Beziehung. In unserem Fall die Ehe. Mit Sätzen wie „das ist halt so, dass die Partnerschaft in diesen ersten Kindsjahren etwas zu kurz kommt“ redete ich mir die Sache schön.

Bedürfnisorientiert. So einfach. So schwer.

Zumindest, wenn man es nicht für sich selbst definiert.

Mein Kind kommt an erster Stelle. Soweit klar. Und da mache ich auch keine Kompromisse. Ich weiß um die Bildung des Urvertrauens in den ersten Jahren. Und ich weiß aus eigener sehr schmerzlicher Erfahrung, was es bedeutet, sein Leben ohne dieses verbringen zu müssen.

Doch welche Rolle spielen Mama und Papa, wenn es um Bedürfnisorientierung geht? Geht es tatsächlich darum, nur auf die Bedürfnisse der Kinder zu schauen und entsprechend zu handeln? Müssen wir unseren Kindern jeden Wunsch von den Augen ablesen, noch bevor sie ihn ausgesprochen haben? Oder bedeutet bedürfnisorientiert nicht vielleicht eher, dass jedes einzelne Mitglied der Familie Bedürfnisse hat, die auch gesehen werden wollen?

Meiner Meinung nach muss das je nach Alter des Kindes differenziert werden.

Ein Säugling braucht uns jetzt. Punkt.

Je älter das Kind wird, desto mehr darf ich auch meine eigenen Bedürfnisse kommunizieren. So lebe ich meinem Kind vor, dass auch die Bedürfnisse anderer wichtig sind.

Nun bin ich zugegebenermaßen ein Mensch, der sich sehr gut zurücknehmen und seine Bedürfnisse ohne Probleme für eine gewisse Zeit hintanstellen kann.

Die Bedürfnisse meines Mannes stehen ehrlicherweise allerdings schon lange hintan. Ihn hat auch irgendwie keiner gefragt. Mutter und Kind – die Hauptpersonen – zählten. Der Mann hat als Ernährer der Familie zu „funktionieren“. Die Rollen klar verteilt.

Nun, wie privat möchte ich hier werden? Das ist die Frage, die sich mir stellte. Für mich ist Schreiben wie Therapie, und „was schreibt das bleibt“ bekanntlich. Soll es ja auch. Es soll unbedingt bleiben. Ich möchte zeigen, wie ernst es mir ist. Und es bleibt ja quasi unter uns. 😉

Gerade in Zeiten, in denen das verhexte Wort „Trennung“ immer mal wieder auf den Tisch kommt, ist es höchste Eisenbahn, sich die Bedürfnisse jedes einzelnen Familienmitglieds anzuschauen.

 

 

Da hilft uns aktuell vor allem, uns wieder bewusst zu machen, wie wichtig uns der Partner doch eigentlich ist. Der Familienglück-Kalender von Happybabys hat mich auf eine Idee gebracht. Dieser hängt nun in der Küche und abwechselnd schreiben Sascha und ich jeweils etwas in die noch weißen Datumsfelder. Ein Kompliment, ein liebes Wort, etwas, was wir dem anderen schon lange nicht mehr gesagt haben. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. So wird das Bewusstsein auf das Positive gelenkt. Auf die guten Seiten des Partners. Mein Ziel ist es, wieder eine Einheit zu werden. Die durch dick und dünn geht. In unseren Eheringen sind die Worte „Challenge accepted“ (Herausforderung angenommen) eingraviert. Da wirft man nicht in der ersten Talsohle alles hin.

Ich plädiere immer für „Beziehung statt Erziehung“. Das gelingt mir bei unserem Sohn sehr gut, doch an meinem Mann (er)ziehe ich ständig herum. Und Erziehung ist in meinen Augen Gewalt. Also bin ich meinem Mann gegenüber gewalttätig. Das fühlt sich jetzt gar nicht so gut an. Ständig an jemandem rumnörgeln, damit dieser sich verändert, weil er in meinen Augen in Teilen „falsch“ ist? Puh. Traurig. Ich will ja auch nicht, dass man so mit mir umgeht…

Und wieder hallt in meinem Kopf der von mir so gerne zitierte Ausspruch von Friedrich Fröbel: „Erziehung ist Beispiel und Liebe“. Ist das wirklich das Beispiel, das ich meinem Sohn sein möchte? Bedingungslosigkeit ist mir in seinem Zusammenhang sehr wichtig, warum fällt es mir so schwer, meinen Mann bedingungslos zu lieben? So, wie er ist. Mit seinen Fehlern und Schwächen. Denn die machen einen Menschen doch erst liebenswert, oder?

Das Herunterschrauben der Erwartungen. Die Ängste (existenzieller Art), die angesehen werden wollen. Sich freuen über das, was ist, und nicht darüber sinnieren, was sein SOLLTE.

Neulich habe ich gehört, die meisten Trennungen werden um den zweiten Geburtstag des Kindes vollzogen. Ich will nicht dazugehören.

Ich habe diesem einzigartigen und besonderen Menschen einst ein Versprechen gegeben. Mit ihm Hand in Hand durchs Leben zu gehen und gemeinsam in die gleiche Richtung zu sehen.

Darum ist es nun hochoffiziell, denn es steht hier schwarz auf weiß. Mein Vorhaben für 2017: Meine Ehe retten und nicht nur das. Ich nehme mir fest vor, nicht mehr zu bewerten und zu (ver)urteilen.

Wer ist mit mir zusammen mutig? Geht es Dir in Deiner Partnerschaft ähnlich oder vielleicht genauso? Und kennst Du das, andere ständig zu bewerten? Ich freue mich auf Deine Geschichte in den Kommentaren. Gerne auch anonym. 😉