Ich möchte Dir eine Geschichte erzählen.

Ich sage lieber gleich dazu, es handelt sich um meine Beobachtungen – es soll keine Bewertung der Fähigkeiten dieser Mutter darstellen.

Wir alle sind nicht frei von Fehl, ich genauso wenig wie Du. Es ist immer leichter, von außen auf eine Situation draufzuschauen und seine Meinung zu bilden, als in einer Situation zu stecken, die womöglich noch Kindheitserinnerungen weckt und die Knöpfe drückt.

Dennoch bin ich auch der Meinung, dass viele Eltern bestimmte Dinge, die in ihren Kindern vorgehen, schlichtweg nicht wissen, und da möchte ich ansetzen.

Also, erst mal die Geschichte:

Ein Mädchen, ca. 8 Jahre alt ist im Spiel vertieft auf dem Spielplatz. Ihre Mutter sitzt auf der Bank und schaut ins Handy. Plötzlich steht sie auf, ruft dem Mädchen zu, es solle kommen, denn sie wolle nach Hause gehen. Das Mädchen reagiert nicht.

Darauf die Mutter: „Wenn du jetzt nicht kommst, gehen wir nicht ins Schwimmbad später.“

Die Kleine insistiert, sie wolle lieber noch bleiben.

Die Mutter hört ihr nicht zu, wendet sich um und geht. Das Mädchen bleibt unbeeindruckt.

Nach einer Weile kommt die Mutter zurück und sagt:

„Diese Woche ist Schwimmbad gestrichen und wenn wir nach Hause kommen, gehst du sofort auf dein Zimmer“.

Soweit die Situation, meine Beobachtungen. Versuchen wir zu verstehen, was hier bei den einzelnen Personen passiert.

 

Beginnen wir mit der Mutter

Ihr Kind gehorcht nicht. Womöglich denkt sie, die Kleine tanzt ihr auf der Nase herum. Macht, was sie will. Da sie die Kontrolle behalten möchte schrillt die Alarmglocke in ihrem Kopf: Das geht so nicht, da muss ich handeln!

Vielleicht drückt das Kind ihre Knöpfe. Eine Kindheitserfahrung der Mutter könnte sein, dass sie ignoriert worden ist, weswegen sie sich in solchen Situationen nicht anders verhalten kann.

Jaja, die eigene Erziehung…

Instinktiv handeln wir genauso, wie wir selbst erzogen wurden.

Das Problem an der Sache: es funktioniert.

Das Kind kommt. Es spurt. Ist artig.

Aber warum?

Nicht aus eigenem freien Willen, sondern weil wir drohen und in der Konsequenz auch strafen.

„Wenn…. dann…“

„Wenn du jetzt nicht kommst, dann… gibt es kein Abendessen…gehst du auf dein Zimmer…gehen wir nicht schwimmen…rede ich kein Wort mehr mit dir…so mag ich dich nicht“… usw.

 

Und was geht in dem Kind vor?

Sie ist im Spiel vertieft. Es ist sicher, ganz sicher, keine böse Absicht, der Mutter auf der Nase herumzutanzen.

Kinder lernen im Spiel.

Auch Gegenwille ist normal. Siehe meinen Blogbeitrag „NEIN – Tipps zum Umgang mit dem Gegenwillen deines Kindes.

Wird das Kind nun isoliert lernt es: Wenn ich meinem eigenen Willen folge, lässt mich meine Mama alleine und noch dazu hat sie mich nicht mehr lieb.

Spätestens in der Adoleszenz (Pubertät) wird das Kind rebellieren: „Du kannst mir gar nichts!“

 

Wie kann man diese Situationen in Zukunft besser lösen?

Sei präsent, sei da – und zwar nicht nur physisch.

Bleibe ansprechbar.

Interessiere dich für dein Kind.

Stelle Fragen, was sie macht.

Aktiviere die Bindung: Stelle Augenkontakt her, und erhasche ein Lächeln von ihr.

Dann läute das Spielende ein: „Ich möchte jetzt nach Hause gehen.“

Formuliere es als Ich-Botschaft!

Falls die Antwort „nein“ lautet: „Ok, dann such dir noch zwei Spielgeräte aus, bevor wir uns auf den Heimweg machen.“

Oder: „Lass uns noch eine Runde gemeinsam spielen, und dann gehen wir.“

Oder einen Anreiz schaffen, damit das Gehen leichter fällt: „Wir wollten doch ins Schwimmbad, weißt Du noch?“

Oder: „Zu Hause wartet schon Papa auf uns“ oder „Heute gibt es dein Lieblingsessen“ oder „Du wolltest doch das spannende Buch weiterlesen.“

Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Spiele doch ein wenig mit Deinen Aktionen und beobachte darauf die Reaktionen Deines Kindes.

Und denk dran: Es stresst euch beide deutlich weniger, wenn Du nicht zu viel Gehorsam von Deinem Kind erwartest, sondern ihr miteinander Lösungen findet.