Kinder, vor allem die kleinen, leben im Moment – wir Erwachsenen leider viel zu selten. Von ihnen können wir so viel lernen, wenn wir es nur zulassen. Sie sind geleitet von ihren Emotionen, von jetzt auf gleich kippt die Stimmung, genauso schnell ist es aber oft auch wieder gut. Nicht immer allerdings, wie dieses Beispiel zeigen wird. 😉

Zur einführenden Erklärung: Emil (3) schafft gerade seinen Mittagsschlaf ab, wir sind also mitten in einer Umstellungsphase.

Es macht ihm an manchen Tagen zu schaffen, hab ich das Gefühl, aber wenn ich frage, ob er schlafen möchte, verneint er meist. Das ist für alle Beteiligten momentan eine Herausforderung. Du kennst dies sicher. 😉

Neulich gab es eine Situation, von der ich Dir erzählen möchte, weil sie mich dazu gebracht hat, vollkommen im Hier und Jetzt zu sein. Fokussiert. Alles andere nebensächlich.

Nun, Emil spielte mit einem Pappkarton und brach plötzlich in Tränen aus, warf sich auf den Boden und war kaum zu beruhigen. Er erklärte unter Schluchzen, dass sein Kran kaputt gegangen sei. Alle Versuche meinerseits, ihm zu helfen und den imaginären Papp-Kran wieder aufzubauen, scheiterten. Er steigerte sich immer mehr hinein, fühlte sich völlig missverstanden von seiner planlosen Mutter.

Manchmal ist man in der Verfassung, die Tränen der Kleinen auszuhalten, ein andermal fällt es schwerer. In diesem Moment Gott sei Dank war ich stark genug, um ihn durch dieses Tal zu begleiten.

Wir Erwachsenen neigen ja dazu, nur die Situation an sich zu betrachten, nicht aber zu hinterfragen, ob es sich tatsächlich nur um diese (aus unserer Sicht) „Lappalie“ handelt, die den Kessel zum Explodieren bringt.

Mir war relativ schnell klar, dass hier das berühmte Fass zum überlaufen gekommen war. Er war einfach total überreizt von den vielen Eindrücken des Tages und dem Mangel an Ruhe. Und all die Gefühle kamen nun hoch und mussten irgendwo hin. Das Ventil der Tränen öffnete sich und der Damm brach.

Ich saß die ganze Zeit neben ihm, und als er soweit war, dass ich ihn in den Arm nehmen durfte wog ich ihn sanft wie ein kleines Baby. Ich sprach nicht, ich war einfach nur da. Für meinen kleinen Jungen, der in vielen Situationen schon so groß ist und dann wieder so klein und zart. Die Tränen strömten über seine weichen Wangen und seine Augen füllten sich immer wieder mit neuer Flüssigkeit. Ich sang „heile heile Gänschen“, das berührt ihn in diesen Momenten. Die dauerhafte Kurzatmigkeit wich ein paar tiefen Atemzügen. Er schluchzte immer mal wieder auf, beruhigte sich aber langsam.

Hilfreich in solchen Situationen ist im Übrigen auch, dass wir (noch) stillen. Die naturgemäß ursprünglichste Verbindung zwischen einer Mutter und ihrem Kind. Die Mumi tröstet auf einer Ebene, auf der gute Worte und liebevolle Umarmungen einfach nicht mithalten können.

Nachdem er ganz zur Ruhe gekommen war schaute er mich an und sagte: „Mama, ich mag dich“.

Das ist gelebte Dankbarkeit. Ehrlicher als unsere Kinder ist keiner.

Wunder-volle und besondere Momente, die ich an unserer Selbstbetreuung so sehr schätze. Dass ich all diese Situationen mitbekommen darf. Auch wenn sie mich teils an oder über meine eigenen Grenzen bringen, mir unweigerlich meine eigenen Schwächen und Unzulänglichkeiten aufzeigen und das Ende meiner Belastbarkeit.

Doch es macht was mit Dir:

Wenn Du in der Lage bist auszuhalten, wirst Du belohnt. Ja, genau, auch Du selbst! Das ist mir wieder klar geworden in diesem Moment. Nicht nur meinen Sohn in den Armen zu halten und zu trösten, sondern auch die kleine Jenniffer, mein inneres Kind.

Probiere es mal aus, es ist eine bemerkenswert liebevolle Art und Weise, sich selbst anzunehmen, so wie man ist. Mit all seinen Fehlern und Schwächen, die unsere Kinder uns unerbittlich aufzeigen. Nein, kein Pardon. Da müssen wir alle durch. Sich dann vorzustellen, wie man sein kindliches Selbst auf den Schoß nimmt, empathisch mit ihm spricht, es wiegt, über den Kopf streichelt. Es ist unsere ideale Vorstellung dessen, was uns persönlich beruhigt und glücklich macht. Alles ist erlaubt.

Und wenn Du in Dir selbst ruhst, überträgt sich das auch auf Deinen sonst so fröhlichen Sonnenschein, der Dich gerade so sehr braucht.

Kennst Du diese Situationen? Erzählst Du uns davon?