Unsere Hausgeburt – ein Erfahrungsbericht mit Komplikationen – Teil 4

Unsere Hausgeburt – ein Erfahrungsbericht mit Komplikationen – Teil 4

Teil 4: Wenn der Paketbote drei Mal klingelt

Tatsächlich war der Muttermund schon so weit geöffnet, dass man sagen kann, ich befand mich im Endspurt.

Das Veratmen meiner Wehen wurde lauter, Hypnobirthing funktionierte nur noch teilweise. An meditieren war überhaupt nicht zu denken.

Ich wanderte nun von der Couch aus meiner liegenden Position runter vor die Couch in einen Vierfüßler-Stand. Wir rollten meine Gymnastikmatte aus, darauf wurde ein Malervlies gelegt und einige Handtücher, sowie wasserfeste Unterlagen. Die Fruchtblase war zu diesem Zeitpunkt immer noch nicht gesprungen.

Anna prüfte immer wieder mit einem mobilen CTG-Gerät die Herztöne von Finn. Mein Sohn war die Ruhe selbst. Völlig entspannt, der kleine Mann.

Im Gegensatz zu seiner Mutter. Ich hatte das Gefühl, das Haus zusammenzubrüllen – das wurde später aber nicht bestätigt.

Anna gab mir den Tipp, in den tiefen Tönen zu bleiben. Gar nicht so einfach. Aber es half wirklich. Oft begann ich die Wehen in hoher „Kreisch-Lage“ und wechselte dann in ein animalisches Brummen.

Meine Hände krallten sich bei jeder Wehe tiefer in die Couch und ich weinte immer mal wieder ein bisschen. Ob vor Schmerz oder vor Erschöpfung oder wegen der bewegenden Atmosphäre, so genau weiß ich das nicht.

Die Geburt meines zweiten Kindes stand nun unmittelbar bevor.

Und ich?

Rief um Hilfe. War gehemmt. Konnte mich nicht so recht einlassen auf den Show-Down. Hatte Angst.

Hypnobirthing beschreibt, man solle nicht pressen, sondern nach unten atmen und das Baby so rausschieben. Ich hab das versucht, irgendwie hat es bei mir nicht geklappt. Vielleicht sah es deswegen so aus, als sei ich gehemmt gewesen, was das Pressen angeht.

Irgendwann wollte ich einfach nur noch, dass es vorbei ist. Die Vorstellung, dass mein Baby gleich bei mir ist, hat mir Kraft gegeben, weiterzumachen. So fing ich dann eben doch an zu pressen.

Weit weg hörte ich es an der Tür klingeln. Genau zu Beginn der Presswehen kam die zweite Hebamme hinzu, Isabelle.

Kurz vorher klingelte übrigens auch der Paketbote. Such is life. Alltäglicher geht es kaum. Mal eben ein Kind bekommen, während der Postbote drei Mal schellt.

Aber das alles nahm ich wie in Trance wahr.

Auch dass mein Mann sich für den Endspurt zu mir setzte und meine Hand hielt, während ich unseren zweiten Sohn gebar. Der Große lag im Bett und schaute sich eine Folge von Janoschs kleinem Tiger und kleinem Bären auf dem Handy an.

Um fürs Baby mehr Platz zu schaffen bat mich Anna, ein Bein auszustrecken. Ich befand mich immer noch im Vierfüßler-Stand.

Einige Wehen später war das Köpfchen geboren. Der Körper folgte mit der nächsten Wehe.

11:19 Uhr am 29. Januar 2018. Ein Wassermann mit Aszendent Stier und dem Mond im Krebs. Willkommen, kleiner Finn Ole. Wir freuen uns auf alles, was wir mit dir erleben dürfen. Wir wollen dich begleiten auf deinem Weg ins Leben, dich auffangen, wenn du uns brauchst. Wir sind immer für dich da.

Mit Glückshaube kam unser kleiner Schatz zur Welt. Sein Kopf war mit Eihaut bedeckt. Wie ich auf hebammenwissen.info erfuhr, kommt nur eines von 80.000 Babys mit einer Glückshaube zur Welt. Wenn das mal kein gutes Omen für seinen weiteren Lebensweg ist.

Doch für mich sollte es nicht so glücklich weitergehen…

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Tiefgründiger Skorpion, Tierliebhaber, Reiki-Meister, Indien-Fan, Vegan, Weltenbummler, in einer langfristigen Stillbeziehung, Gegen-den-Strom-Schwimmer, Nach-Alternativen-Suchende, Grüne-Smoothie-Trinkerin, im Herzen ein Flieger. Und nun auch Vorstandsmitglied im Verband Familienarbeit e.V. :-)