Sabine Mänken, selbst Mutter von drei erwachsenen Kindern, ist seit 2010 SeelenWEGbegleiterin und freischaffende Autorin.

Sie ist Herausgeberin des Buches „Die verkaufte Mutter“, das 2015 im Quell-Verlag erschien. 21 Mütter schildern darin ihre Erfahrungen zur Freiheit der modernen Frau.

Aktuell ist Sabine Mänkens zweites Buch in vollem Gange: „Mütter der neuen Zeit“.

Der Titel hat mich gereizt, ich wollte mehr wissen. Meine Interviewanfrage hat sie gerne angenommen. Und so freue ich mich, ihre Antworten mit Dir teilen zu dürfen. 🙂

 

Liebe Sabine, Du hast ja 2015 zum Thema Selbstbetreuung schon einmal ein Buch gemacht. DIE VERKAUFTE MUTTER ist damals sogar in Zeitschriften wie DER SPIEGEL, ELTERN und der BRIGITTE diskutiert worden. Warum nun noch einmal ein Buch zum gleichen Thema – für das Du ja noch Autorinnen suchst?

Liebe Jenniffer, erst mal ganz herzlichen Dank für Dein Interesse an diesem Projekt.

Ja, das ist richtig. DIE VERKAUFTE MUTTER war ein empörter Aufruf gegen den  damals begonnen ökonomischen Ausverkauf der Arbeitszeiten einer Mutter. Die feministische Emanzipation fokussierte sich immer einseitiger auf die Gleichberechtigung am Arbeitsmarkt. Dass die familiären Arbeitszeiten, die ja im Wesentlichen den Bedürfnissen der Familienmitglieder, sprich vor allem den Bedürfnissen der Kinder gewidmet sind, kompensationslos weggedacht wurden, musste ein Schuss nach hinten werden. Darauf haben wir versucht aufmerksam zu machen.

Eine Emanzipation, die weder das Wohl des Kindes noch die geistige Individuation einer Frau als Mutter mitdenkt, ist auf halbem Weg stehen geblieben. Und ich sage nicht, dass nicht Väter auch vielleicht gerne zu Hause arbeiten wollen und sich dabei entwickeln… Denn was ermöglicht uns eine Gesellschaft, in der alle tagsüber in Büros, Fabriken und sonstigen Institutionen verschwinden?

Leben ist immer polar und braucht eine Balance zwischen äußeren und inneren Aktivitäten. Ein wirkliches Zuhause für Kinder zu schaffen, ermöglicht ihnen den eigenen Innenraum zu ergreifen und nicht den ganzen Tag funktionieren zu müssen. Die gesunde seelische Entwicklung unserer Kinder ist doch eine ungemein wichtige Ressource für eine Gesellschaft. Leider war es damals schwer, dieses Thema zu platzieren. Viele Frauen aus der feministischen Arbeit verstanden und verstehen auch heute noch eine solche Haltung als Angriff auf ihre Errungenschaften. Doch jede Biographie muss individuell betrachtet werden. Wir wollten nicht, dass das alte Rollenverständnis von Frauen einfach nur durch ein neues ersetzt wird. Inzwischen scheinen wir leider an diesem Punkt anzukommen.

 

Was hat sich trotzdem verändert seitdem?

Einerseits sind die Forderungen nach Fremdbetreuung so laut geworden, dass die mangelhafte quantitative Versorgung und deren hektische Kompensation auf die Fragen der qualitativen Versorgung von Kindern aufmerksam gemacht hat. Die Not der Familien, erwerbstätig sein zu müssen, übt ja ordentlich Druck auf das Recht auf einen Kitaplatz aus… Damit werden auch Kritiken und Mängel immer deutlicher. Es bildet sich eine Gegenbewegung vor allem bei den jungen Müttern, die als Frauen bereits selbstbewusst genug sind, ihre Aufgabe nicht minder zu schätzen. Unsere Gesellschaft ist meiner Ansicht nach nun aufnahmefähiger dafür geworden, dass nicht alle Mütter als Frauen und nicht alle Kinder über einen Kamm zu scheren sind. Eine demokratische Gesellschaft lebt doch von ihrer Vielfalt. Deshalb brauchen wir eine echte Wahlfreiheit in Sachen Fremdbetreuung mit dem bewussten Blick auf die notwendige individuelle Begleitung von Kindern.

 

Was ist dein Anliegen mit diesem Buch?

Wirklich, mein großes Herzensanliegen ist, jungen Müttern Mut zu machen, auf ihre innere Stimme zu hören. Die ist manchmal leise, manchmal laut – aber immer da. Viele scheinbar moderne Haltungen die Entwicklung der Kinder betreffend sind letztendlich Glaubenssätze, die einer Überprüfung Stand halten müssen. Eine Mutter, die deutlich das Gefühl hat oder auch konkret beobachtet, dass eine Fremdbetreuung – zu welchem Zeitpunkt auch immer – für ihr Kind NICHT stimmig ist, braucht Zuspruch, den eigenen Weg in der verbindlichen Verantwortung ihrem Kind gegenüber gehen zu können. Denn es muss das Recht des Kindes sein, selbst sichtbar machen zu dürfen, wann und in welchem Umfang es die sichere Bindung verlassen kann. Die Verunsicherung der Mütter ist heute so groß. Ich möchte Frauen befähigen, die Begleitung ihrer Kinder bewusst in die eigene Hand zu nehmen. Denn die seelische Entwicklung von Müttern und Kindern bedingen einander.

 

Du schreibst oft Kinder kommen aus der Zukunft und wollen unsere Zukunft. Hat das damit etwas zu tun, was Du gerade angedeutet hast?

Ja, man könnte auch sagen, Kinder bewusst zu begleiten, befreit den Blick auf das eigene innere Kind. Die Wunden der eigenen Kindheit sind tief in uns verborgen. Die Auseinandersetzung mit den eigenen individuellen Werten befähigt uns, aus einer unbewussten familientradierten Rolle herauszuwachsen. Auch die Auseinandersetzung mit den gegenwärtigen Glaubenssätzen in Politik und Gesellschaft fordert uns in unserer ureigenen Individualität. Aber es geht nicht nur um Werte. Über die eigenen Kinder werden wir ja oft mit unseren eigenen Grenzen und Gefühlen konfrontiert. Den Kindern dafür nicht die Verantwortung zu geben, heißt im Dialog mit dem eigenen inneren Kind sich selbst zu verändern. Die Seele des Kindes ist auf eine zukünftigere Zukunft ausgerichtet als unsere eigene. Sie wirkt deshalb wie ein Katalysator für die eigene Seelenentwicklung. In dem Bemühen, das Wesen des Kindes zu verstehen, liegt die Herausforderung, die Kinder nicht zum Objekt der eigenen seelischen Unbewusstheiten zu machen.

Das klingt einfacher als es ist. Es ist der lange Weg der eigenen Seelenmetamorphose, der durch die Schicksalsaufgaben von Eltern und Kindern in jeder Hinsicht wirkt. Die Frage ist nur, ob wir die innere Freiheit besitzen, diese Aufgaben wahrzunehmen. Entschleunigung und die Seele des Kindes jenseits der eigenen Projektionen wahrzunehmen, sind die Voraussetzungen für eine Beziehung, die im JETZT entsteht.

 

Wie ist das Buch aufbegaut?

Der Aufbau der VERKAUFTEN MUTTER war damals sehr konstruktiv. Das Buch bot den Raum, Mütter selbst sprechen zu lassen. In 21 individuellen Erfahrungsberichten sprachen die Mütter über ihre individuellen Motive, eine zeitlang zuhause zu bleiben. Genauso wird es in dem Buch „MÜTTER der NEUEN ZEIT“ sein. Wir müssen verstehen lernen, dass jeder Mensch in einem individuellen Lebensstrom steht und kein Leben mit einem anderen vergleichbar ist. Trotzdem geht es bei allen Menschen um die innere Befähigung, zur eigenen Wahrhaftigkeit hinzuwachsen. Der Weg dahin aber ist individuell.

Deshalb würde ich auch nicht sagen, jedes Kind ist nur bei der Mutter die ersten drei Jahre gut aufgehoben. Da werden wir den individuellen Schicksalskräften nicht gerecht. Mütter sind ganz sicher erstmal die zentrale Bezugsperson. Das ergibt sich ganz natürlich aus der Schwangerschaft. Wenn Mütter trotzdem sich als nicht fähig oder nicht willens sehen, ihr Kind zu begleiten, sollten sie jedoch ihre verbindliche Verantwortung kennen, wenn sie mehrere Personen in die Betreuung mit einbeziehen. Denn die Verantwortung für das eigenen Kind ist nicht delegierbar. Abgeben und wegschauen holt einen immer ein.

Deshalb werden auch – wie bei der VERKAUFTEN MUTTER – 21 kleine Texte über Bindung, Jahrsiebte, Seelenentwicklung, Waldorfpädagogik und auch pol. Themen die sachlichen Informationen geben, innerhalb derer wir tagtäglich die Beziehung mit dem Kind gestalten müssen.

 

Die Jahrsiebte sind ja auch ein zentraler Ansatz in Deiner biographischen Arbeit als SeelenWEGbegleiterin. Was ist damit wirklich gemeint?

Die ganze Natur ist nach kosmischen Gesetzmäßigkeiten aufgebaut. So auch der Mensch. Das Urbild des Körpers stellt ja keiner in Frage. Zum Beispiel die Tatsache, dass wir zwei Arme und zwei Beine haben, die in gewissen Proportionen zueinander stehen. Leonardo da Vinici hat uns das mit seiner bekannten Proportionsstudie gezeigt. Solche ewigen Verhältnisse prägen auch das Urbild der seelisch-geistigen Entwicklung, die in Siebenjahresrhythmen verläuft. Verschiedene Planeten begleiten diese Jahrsiebte. Im ersten Jahrsiebt ist das der Mond, der die Veranlagung des tiefen unbewussten Schicksals – des Erbstroms – begleitet, genauso wie die Entwicklung zur rhythmischen Lebendigkeit der Organe des kleinen Kindes. Je bewusster wir unser Kind begleiten können, desto mehr erwacht in ihm der freie Wille, der vom Schicksalsstrom befreit. Die Sozialisierung besteht vor allem in der Möglichkeit, diesen freien Willen in Harmonie mit sich erweiternden Grenzen zu ermöglichen. Der Planet Merkur ist dann der Begleiter des zweiten Jahrsiebtes, die Venus die Begleiterin im dritten Jahrsiebt… Dazu mehr im Buch…

 

Was wünschst Du Dir für die Zukunft?

Wertschätzung und Achtung vor der bewussten Begleitung von Kindern. Es ist eine Aufgabe, die wirklich sehr große Bereitschaft erfordert zur Selbstschulung. Dafür brauchen wir in unserer Gesellschaft eine wirkliche Wahlfreiheit in den Fragen der Betreuung durch finanzielle Wertschätzung der Aufgaben, die eine Mutterschaft mit sich bringt. Die Anerkennung der individuellen Entwicklung von Kindern innerhalb der kosmischen Gesetzmäßigkeiten durch ein gerechtes Elterngeld würde die Ausbeutung der Mutterschaft beenden. Denn kein Kind sollte aus finanzieller Not in einer Fremdbetreuung untergebracht werden, wenn es noch nicht soweit ist.

 

Liebe Sabine, vielen Dank für das Interview!

Liebe LeserInnen, es werden noch Autorinnen gesucht!

Bei Interesse bitte melden unter: maenken-biographiearbeit@gmail.com

Mehr von Sabine Mänken bekommst Du auf ihren Webseiten:

www.kunstraum-biographiearbeit.de

www.die-verkaufte-mutter.de