Iris ist Erzieherhelferin, die bereits in verschiedenen Kitas gearbeitet hat. In diesen Wochen und Monaten schreibt sie die Missstände auf, die ihr in den Einrichtungen aufgefallen sind. Daraus wird ein Buch entstehen. Auch die Ergebnisse der Bindungsforschung werden thematisiert. Sie möchte vor Augen führen, was in den Kitas verbessert werden muss, damit sie den Bedürfnissen der Kinder und Kleinkinder gerecht werden. Außerdem den Müttern und Vätern die Augen öffnen über die Fakten der Bindungsforschung.

Iris hat mich gebeten, einen Aufruf zu starten, wer zu dem Buch mit seinen Erfahrungen beitragen möchte. Sie hat Dokumente mit offenen Fragen erstellt, einmal für betroffene Eltern, einmal für ErzieherinInnen. Darin geht es um kleine Kinder (0-6 Jahre), Krippenbetreuung, Kindergartenbetreuung, Bildungspolitik und Bindungsforschung. Die Beantwortung erfolgt, falls erwünscht, anonym.

Aber am besten lassen wir sie selbst zu Wort kommen. 🙂

 

„Ich bin Iris, Erzieherhelferin, und ich schreibe gerade an einem Buchprojekt über meine Kitaerfahrungen. Darin lasse ich die Bildungs-und Bindungsforschung, sowie die frühzeitige ganztägige Kinderbetreuung aus ganz Europa, Amerika und der ehemaligen DDR einfließen. In Afrika werden die Kinder zumeist von der familiären Dorfgemeinschaft betreut.

Dafür habe ich Fragebögen für Eltern und Erzieher konzipiert, und ich freue mich, wenn Du sie ausfüllen möchtest. Sie kommen in mein Buch – anonym oder mit Deinem Namen. 🙂

Aber zuerst erzähle ich Dir, wie ich die heutige Betreuungssituation sehe, dann kannst Du besser einschätzen, ob Du zu mir und meinem Buchprojekt passt:

Die Familienpolitik, die seit Manuela Schwesig (SPD) eine reine Wirtschaftspolitik geworden ist, forciert die extreme Krippenbetreuung: Sie treibt den Kitaausbau voran, ohne auf Qualität zu achten, insbesondere bei den Kindern unter drei Jahren. Wie in der ehemaligen DDR gibt es inzwischen sogar 24-Stundenkitas, womit zum einen das wichtige Familienleben ausgehebelt wird, und zum anderen auf die Bedürfnisse von Babys und Kleinkindern keine Rücksicht genommen wird. Eltern und Kinder haben sich den Bedürfnissen der Arbeitgeber / Unternehmen anzupassen.

Unter anderem erhöht sich der Cortisolspiegel (Stresshormon) von Babys und Kleinkindern auf den eines Managers mit einer 60-Stundenarbeitswoche während der Krippenbetreuung in der Kleinkindergruppe. Die einseitige finanzielle Unterstützung seitens der Bundesregierung bei der Subventionierung eines Krippenplatzes ist ungerecht und ideologisch motiviert.

Betreuungsgeld in gleicher Höhe für Eltern und Alleinerziehende, die ihre Kinder bis zum 2. oder 3. Lebensjahr selbst zu Hause betreuen wollen, es finanziell aber nicht schaffen, wird nicht gefördert. Eine Mutter und ein Vater können sich heute auch nicht mehr einfach auf ihre einjährige oder 18 Monate lange Elternzeit berufen, auch nicht, dass sie aufgrund ihres Kleinkindes nicht im Schichtsystem und am Wochenende arbeiten können. Sie werden von den Arbeitgebern unter Druck gesetzt, da inzwischen alles durch den Staat in Form der kostenlosen Ganztags-Rund-um-die-Uhr-Betreuung abgedeckt wird, ob es dem Kindeswohle schadet oder nicht.

Eine Folge davon ist in Skandinavien und Frankreich zu beobachten: Jahrzehntelange Ganztagsfremdbetreuung, in Frankreich ab dem 3. Lebensmonat, in Skandinavien ab dem 6. Lebensmonat: Immer mehr verhaltensauffällige Kinder, und Mütter im Burnout. Die Väter wahrscheinlich auch, aber darüber spricht keiner. Frankreich steht seit Jahren an der Weltspitze im Verbrauch von Antidepressiva, die Jugendlichen neigen vermehrt zu Depressionen mit Suizid-Umsetzungsimpulsen.

Das einzig Positive: Die Krippenkinder sind oft später beruflich erfolgreich, sehr leistungsorientiert, achten aber nicht auf ihre psychische und körperliche Gesundheit. Sie haben oft psychosomatische Beschwerden, leiden an Bindungsstörungen / Bindungsängsten. In Deutschland steigt der Bedarf an Mutter-Kind, bzw. Vater-Kind-Kuren, die von den Krankenkassen bezahlt werden müssen. Da diese sich oft weigern zu  zahlen trägt diese Kosten die Allgemeinheit.

Dänemark hat in 39 Kommunen aus diesen Gründen vor 18 Monaten ein zweijähriges Betreuungsgeld eingeführt, welches erlaubt, dass ein Elternteil (egal ob Mutter oder Vater) zwei Jahre das Kleinkind zu Hause betreuen kann.

Den Regierungen und der Wirtschaft, egal in welchem europäischen Land, geht es im Klartext nicht um die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau und eine eventuelle Karriere von Müttern und Vätern.

Es geht auch nicht darum, dass Kleinkinder in Kitakrippen gut gefördert werden, sondern, dass Elternpaare und Alleinerziehende der Wirtschaft dienen können. So bekommt die Wirtschaft ihre Billigarbeitskräfte (umso mehr Menschen auf den Arbeitsmarkt strömen, umso besser klappt das Lohndumping, bedeutet Gewinnmaximierung der Unternehmen), der Staat seine Steuern und Sozialabgaben, und in den Kitas werden die Babys, Kleinkinder und Kinder zum nächsten funktionierenden Arbeiter herangezüchtet!“

Kannst Du Dich mit Iris´ Worten identifizieren? Schwimmt ihr auf einer Wellenlänge?

Dann freut sie sich über Deine E-Mail, an kinderleuchtturm@web.de.