Für den Podcast „Ein Satz für Zwei“ bei einem bekannten Hörbuch-Anbieter habe ich von den Machern eine Interviewanfrage bekommen. Da die Episoden kostenpflichtig sind, darf ich sie nicht ohne weiteres öffentlich machen. Meine Worte jedoch schon, das ist mein geistiges Eigentum. Und dieses sende ich weiter unten in die Welt.

Doch zunächst: Wie alles begann.

Das Gespräch mit dem Hörfunkjournalisten Hendrik Schröder war, sagen wir mal, interessant. Mit einem Mann über das Thema (Langzeit-)Stillen zu sprechen ist schon etwas ungewöhnlich.

So rief er zum verabredeten Zeitpunkt an, und ich, ganz Frau, begann mit dem Small Talk: „Schön, dass es geklappt hat“, „habt ihr auch so schönes Wetter in Berlin?“ oder „interessantes Thema, dem ihr euch da widmet“.

Seine Reaktion: „Ja“. 😉

Nachdem ich meinen Monolog beendet hatte, ging es direkt los mit dem Interview. Hendrik stellte die erste Frage. Ich war so überrumpelt, dass ich zur Sicherheit noch einmal nachhakte, ob das denn jetzt schon das Interview sei.

War es.

20 Minuten später waren wir durch. Und ich hatte mir mal wieder viel zu viel Mühe gemacht: Details rausgesucht, die Pro´s des Langzeitstillens formuliert, Persönliches und Sachliches eingebracht.

Aber nichts ist verloren, dachte ich mir, und so verbreite ich einfach meine detaillierten Ausarbeitungen der männlichen Fragen übers Langzeitstillen im World Wide Web.

Kurze Still-Vita meiner Person:

Ich stille unser Baby voll. Er ist derzeit 9 Monate alt. In unserer Welt ist das normal, in der Welt da draußen schon fast asozial. Als unser Großer drei Monate alt war, wurde ich mit großen Augen gefragt: „Wie, Du stillst noch?!“

So langsam gehöre ich mit dem Stillen unseres Kleinen schon  zu den Langzeitstillenden. Wie die Leute aber reagieren, wenn sie erfahren, dass ich unseren Großen ebenfalls noch stille, wenn auch nur abends zum Einschlafen…

Nun, ich hänge es nicht an die große Glocke. Naja, heute halt schon. Die Welt weiß nun Bescheid.

Beginnen wir mit meinem Zusammenschnitt meiner Antworten – mehr darf ich nicht veröffentlichen.

 

 

Folgend die ausführlichen Fragen und Antworten, also meine Vorbereitung auf unser Interview:

Jenniffer, warum ist Dir das Stillen wichtig?

Stillen ist das Natürlichste überhaupt und die gesündeste Ernährung für Säuglinge.

Beginnen wir mit ein paar Fakten:

Die Muttermilch ist Quelle vieler Nährstoffe (mind. 400 Nährstoffe, die nicht in Milchersatzprodukten vorzufinden sind). Sie enthält Antikörper, die das Abwehrsystem stärken.

Der weibliche Körper ist ein Phänomen in vielerlei Hinsicht, auch auf das Stillen bezogen:

  • Muttermilch verändert sich ständig und passt sich an, z.B. wenn das Kind krank ist entwickelt der weibliche Körper automatisch die Nährstoffe, die das Kind braucht um schnell zu genesen
  • Das Angebot bezieht sich auf die Nachfrage: Je mehr ich anlege, desto mehr Milch produziert mein Körper
  • Die Muttermilch ist auf das Baby abgestimmt
  • Die Zusammensetzung ändert sich im Laufe der Stillzeit, weil sich ja auch der Bedarf verändert
  • Auch am Tag verändert sich die Muttermilch: Morgens ist sie fetter als abends, darum wollen viele Babys abends öfter an die Brust – sie haben Hunger

Ein weiterer unschlagbarer Vorteil des Stillens: Es spart Zeit und Geld.

Geld ist klar.

Zeit, weil Muttermilch sofort verfügbar ist, immer frisch, genau richtig temperiert.

Und auf der emotionalen Seite:

Stillen schafft Nähe, eine ganz besondere Nähe. Es ist wichtig für die Mutter-Kind-Bindung, weil beim Stillen das Hormon Oxytocin ausgeschüttet wird, das ist das Bindungshormon oder auch Vertrauenshormon genannt.

Ich persönlich finde es auch ziemlich toll in der Lage zu sein, mein Kind alleine ernähren zu können mit allen Nährstoffen, die es braucht.

 

Welchen positiven Effekt erhoffst Du Dir für Deine Kinder?

Längere Stilldauer soll dazu beitragen, dass Kinder seltener chronisch erkranken, dass Übergewicht im Kindesalter verhindert wird, es die kognitiven Leistungen verbessert.

Es stärkt die Bindung zwischen Mutter und Kind, die das A&O für ein selbstbewusstes Leben ist.

Überhaupt ist Stillen ja nicht nur Nahrung: Nach Bedarf zu Stillen bedeutet Rückzug fürs Kind (z.B. bei Reizüberflutung), Verarbeitung von Erlebnissen, Trost oder stillt eben den Nähe-Bedarf. Kurzum: Mein Kind möchte ein bisschen Mama tanken.

 

Was bedeutet das Stillen für Dich als Mutter, auch emotional?

Beginnen wir mit der emotionalen Seite:

Ich genieße sehr diese besondere Nähe, die nur eine Mutter fühlen kann. Ich finde keine Worte, um diese zu beschreiben. Meinem Kind etwas zu geben, was nur ich als Mama ihm schenken kann, ist ein unbeschreibliches Gefühl.

Die praktische Seite wartet auch mit einigen Pro´s auf:

Unschlagbar ist beispielsweise die Tatsache, dass ich nachts nicht aufstehen muss. Ich bleibe einfach liegen, wenn das Baby unruhig wird und ziehe es (wir schlafen im Familienbett) an mich ran. Er dockt an und ich schlafe einfach weiter.

Außerdem sinkt durch langes Stillen das Brust-, Eierstock- und Gebärmutterkrebsrisiko.

Und man bekommt leichter seine Figur von früher zurück, denn der weibliche Körper verbraucht 500 kcal am Tag zur Produktion von Muttermilch.

 

Bekommst Du eher Anerkennung oder auch Skepsis dafür, dass Du relativ lange stillst?

Ich sage immer: Definiere „lange“.

Sogar die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt, zwei Jahre zu stillen und wenn es für Mutter und Kind gut ist, auch darüber hinaus.

Die WHO betont, dass die ersten zwei Lebensjahre eine kritische Phase für optimales Wachstum, optimale Gesundheit, sowie optimale mentale und motorische Entwicklung darstellen.

Die Reaktionen darauf, dass wir noch stillen sind unterschiedlich. Als unser 4-jähriger noch ein Baby war, war ich anfangs verunsichert, das ist ja auch normal beim ersten Kind. Meine Einstellung hat sich aber auch verändert: Bei unserem Baby ist mir alles egal, wir stillen in der Öffentlichkeit ohne Hemmungen, es ist ja das Normalste der Welt.

Eigentlich war für mich immer klar: Ich stille, so lange es mein Sohn braucht. Er braucht es halt mit fast 4 Jahren immer noch. Und irgendwann hat man da auch kein Mitspracherecht mehr. 😉

 

Feministinnen sagen: Der Fokus auf dem Stillen drängt die Mütter in sehr traditionelle Rollen. Was denkst Du darüber?

Diese Frage ist die Schnittstelle zu meinem Thema, der frühen Betreuungssituation. 😉

Die Natur hat es so eingerichtet, dass eine Mutter in der Lage ist, ihr Kind zu ernähren. Natürlich bedingt das, dass sie für ihr Kind selbst und ständig immer da ist. Zumindest in den ersten Monaten und idealerweise auch in den ersten Jahren.

Das emanzipierte Frauenbild, das propagiert wird, ist leider enorm stillunfreundlich: Frauen frühzeitig zurück an den Arbeitsplatz, natürlich mit Top-Figur. Da passt halt kein Kind dazu, das an einem „klebt“. Schon gar nicht länger als 6 Monate.

In unserer Gesellschaft müssen sich Kinder leider den Erwachsenen anpassen, nicht umgekehrt. Umgekehrt sollte es aber sein!

Noch ein Impuls: Vielleicht gibt es ja Frauen, die gerne Mütter und für ihre Kinder da sind? 😉