Wir haben doch gerade erst eine wichtige Entscheidung getroffen: Nämlich unseren Sohn nicht in die Krippe zu geben.

Ein beruhigendes Gefühl, dass er immer bei mir ist. Ich seine ersten Schritte mitbekommen habe, die ersten Laute, die sich langsam aber sicher zu verständlichen Worten verändern.

Zu erleben, wie er sich mehr und mehr zutraut.

Da zu sein, wenn er sich weh tut, ihn trösten zu können, wenn andere Kinder ihn durch ihre wilde Spielweise umrennen und er hinfällt.

Ihn vor jeglichen Käfer-Arten zu beschützen (wenn er einen Käfer sieht, sagt er immer ganz ängstlich „Mammmaaaaa?“)

Mit ihm auf Fantasiereise zu gehen – jederzeit.

Ihn sein zu lassen, wie er ist, und darauf eingehen zu können, was er wann tun will. Ohne Rücksicht auf andere oder einen vorbestimmten Zeitplan nehmen zu müssen.

Jeden Tag lernt er irgendetwas Neues.

Und ich bin dabei.

Das ist für mich unbezahlbar.

Kein Geld der Welt könnte mir so viel Glück bringen.

Der nächste Schritt

Da sind wir gerade mitten drin im Genuss der Zweisamkeit und schon steht die nächste Entscheidung an: Der Kindergarten.

Während man für „Krippenfrei“ noch relativ viel Verständnis im Außen erfährt, schüttelt die Mehrheit bei „Kindergartenfrei“ nur noch den Kopf.

Auf der Suche nach Argumenten für den Kindergarten bin ich auf die Seite ergobag.de gestoßen. Nachfolgend möchte ich auf den Inhalt des dort veröffentlichten Artikels „5 Gründe, wieso Euer Kind den Kindergarten besuchen sollte!“ eingehen.

Punkt 1 – Sozialverhalten erlernen:

„[…] Hier wird erlernt, sich einzugliedern. Natürlich ist auch mit Streit und Konflikten zu rechnen. Diese gilt es auszuhalten oder zu lösen. Oftmals geschieht dies ohne das Zutun der Betreuer […]“

-> Wir alle waren mal klein, und ich beispielsweise weiß noch aus eigener Erfahrung sehr genau, wie rücksichtslos, brutal und verletzend kleine Kinder sein können. Sie sich selbst zu überlassen und Streit und Konflikte selbständig lösen zu lassen, halte ich für äußerst gefährlich für die kleine Kinderseele! Mal abgesehen davon, dass Betreuer Streitigkeiten oft überhaupt nicht mitbekommen. Stichpunkt Betreuungsschlüssel.

Punkt 2 – Persönlichkeitsentwicklung fördern:

„[…]Ebenso wichtig ist es jedoch, dass das Kind auch andere Rollen und seinen Platz in einem anderen sozialen Gefüge erlernt. Der Kindergarten bietet diese Möglichkeit in einem sicheren und betreuten Umfeld. In den zwei Jahren, die ein Kind den Kindergarten besucht, kann sich das Kind an die neue Gruppe und neue Menschen gewöhnen, sich integrieren und weiterentwickeln […]“

-> „In einem sicheren und betreuten Umfeld“? … Wie war das nochmal mit dem Betreuungsschlüssel und Punkt 1?

-> „In den zwei Jahren“… Wie kommen sie auf nur zwei Jahre Kindergarten? In der Regel geht das Kind ab dem 3. Geburtstag dorthin und wird mit 6 oder 7 eingeschult. Ich war sicher keine Leuchte in Mathe, aber das sind nach Adam Riese mindestens 3 Jahre! Mal abgesehen von vielen Kindern, die bereits früher schon eine Krippe besucht haben.

-> „Sich integrieren“… Aha. Mit anderen Worten also: Sich anpassen. Fürs System passend gemacht.

-> „…und weiterentwickeln“ … Das kann es zu Hause also nicht?

Punkt 3 – Lernen – von- und miteinander:

„[…] Im Kindergarten sind üblicherweise Kinder aus zwei verschiedenen Jahrgängen in einer Gruppe. […] Kinder lernen nicht notwendigerweise bewusst sondern durch Beobachten, Nachmachen und Wiederholen. So lernt jedes Kind vom anderen und baut das eigene Wissen und Können sowie soziale Fähigkeiten aus, was oft mit einem guten Gefühl einhergeht.“

-> Okay, das halte ich für stimmig. Ist nur die Frage, ob ich meinem Kind das nicht auch fernab einer Einrichtung bieten kann.

Punkt 4 – Gezielte Schulung und Entwicklung grundlegender Fähigkeiten:

„[…] Wahrnehmung, Sprache sowie Bewegung und Koordination, Denken, Emotionalität und Empathie werden spielerisch ausgebaut. Gelernte Fachkräfte setzen Impulse für das Lern- und Spielverhalten und nutzen auch pädagogische Materialien, Bilderbücher und Spielecken. In vielen Kindergärten stehen auch Exkursionen, z.B. in den Tierpark, auf dem Plan. Studien zeigen, dass diese Förderung für das spätere Lernverhalten und die Konzentrationsfähigkeit sehr wichtig ist.“

-> Also einen Ausflug – hier Exkursion genannt – in den Tierpark biete ich meinem noch nicht einmal zweijährigen Sohn heute schon. Sicherlich erst recht, wenn er noch älter ist. Sogar immer dann, wenn ER es MÖCHTE. 😉

-> Mit Bilderbüchern und Spielzeug können wir uns erschlagen. Leider. Ich bin nämlich (eigentlich) der festen Überzeugung, dass Kinder nicht viel brauchen, um eine erfüllte, glückliche Kindheit zu haben.

Punkt 5 – Besonderheiten und Bedürfnisse erkennen:

„Im Kindergarten fallen Besonderheiten oder auch Defizite in der Entwicklung oft zum ersten Mal auf. Während der Zeit im Kindergarten lernen die Erzieher jedes Kind gut kennen und können gezielt auf seine Begabungen, Stärken und Schwächen eingehen. So kann auch – wenn nötig – frühzeitig professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden, damit das Kind für einen guten Schulstart gerüstet ist.“

-> Wenn ich das lese fällt mir direkt ein, dass ich mein Kind ständig zu irgendwelchen staatlich angeordneten U-Untersuchungen schleifen muss, bei denen er beispielsweise „beweisen“ muss, dass er schon eine Rosine zwischen Daumen und Zeigefinger halten kann.

Er kann. Puh. Gott sei Dank.

Also können Kinderärzte Defizite in der Entwicklung doch wohl auch erkennen?!

Mal abgesehen davon: Was sind Defizite überhaupt? Sind unsere Kinder nicht so wie sie sind genau richtig? Die Natur hat doch einen Plan für jeden Menschen, oder nicht?

Außerdem: Ob das bei den derzeitigen Betreuungsschlüsseln wirklich möglich ist, auf alle Kinder einzugehen, und dann auch noch deren Begabungen, Stärken und Schwächen herauszuarbeiten, möchte ich ganz heftig anzweifeln.

Der emotionale Aspekt

Vor einigen Wochen waren wir bei Freunden eingeladen. Wir waren drei Mütter, die sich angeregt unterhielten über, naja, klar: unsere Kinder. So erzählte die eine, dass ihre Kinder nie gerne in den Kindergarten gegangen seien. Und die andere, dass ihre Tochter oft morgens weint, weil sie nicht hingehen will.

Ein weiteres Beispiel: Ich verbringe einen Vormittag auf dem Spielplatz, der an einen Kindergarten grenzt. Zwei andere Mütter, die sich dort mit einem kleinen Kind aufhalten, haben offensichtlich auch größere Kinder, die den besagten Kindergarten besuchen.

Als die  Kindergartenkinder auf den Hof zum Spielen im Freien kommen, verstecken sich die beiden Mütter. Die spätere Erklärung hat  mich traurig gemacht: „Wenn die Jungs uns sehen, wollen sie zu uns. Und das geht ja nicht.“

Ja, warum denn eigentlich nicht?!

Seit diesen Vorfällen kreisen meine Gedanken.

Was tun wir unseren Kindern an, wenn wir sie jeden Morgen „zwingen“, an einen Ort zu gehen, an dem sie sich nicht gerne aufhalten?

Manche mögen jetzt sagen: „Naja, ich gehe auch jeden Morgen an einen Ort, an dem ich nicht sein möchte“.

Das mag ja sein, aber Du hast die Wahl. Du bist erwachsen. Herr über Dein Glück und Dein Unglück.

Dein Kind nicht wirklich. Es ist abhängig von der Entscheidung (in vielen anderen Bereichen auch!) seiner Eltern.

Ich weiß, ich weiß, manche Kinder gehen gerne in den Kindergarten. Dagegen sage ich ja auch gar nichts. Aber offensichtlich gibt es auch viele Kinder, die lieber bei ihren Eltern sind als im Kindergarten.

Ich fände eine Meinungsumfrage unter Kindergartenkindern mal interessant. Aber die haben leider selten ein Mitspracherecht.

Nun, die Pro-Seite hat mich nicht überzeugt, die Beispiele aus meinem direkten Umfeld haben mich eher noch bestärkt darin, was mein Bauchgefühl sowieso schon sagt: „NEIN“ zum Kindergarten.

Wie wir uns am Ende entscheiden, wirst Du hier erfahren. Also stay tuned. 🙂