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Ich bin gerade sehr nachdenklich.

Vor drei Jahren war ich mit unserem Emil schwanger und ich bekam aufgrund meiner vorigen Erwerbstätigkeit ein Elterngeld von ziemlich exakt 1000 Euro monatlich. Ausgelegt auf ein Elternzeit-Jahr.

Da unser Sohn ein Frühchen ist und (vermutlich auf Grund dessen) sehr auf uns Eltern fixiert ist, kam für uns (auch aus weiteren Gründen, siehe den Beitrag „Klartext“) eine Fremdbetreuung im Sinne von Kita / Kinderkrippe nicht in Frage.

Jetzt ist er knapp 2 Jahre und 8 Monate alt und wir beginnen langsam, ihn auch an andere Menschen zu gewöhnen. Damit meine ich nicht, dass wir bisher ein Einsiedler-Leben geführt haben. 😉 Aber wir waren halt immer dabei. Anwesend. Abrufbar für ihn. Nun verbringt er auch mal 3-4 Stunden am Stück mit seinen Omas, was bis vor kurzem undenkbar gewesen wäre.

Nun, worauf ich hinaus will:

Wir sind Selbstbetreuer. Aus Überzeugung.

Wir glauben daran, dass es das Beste für ein Kind ist, mindestens in den ersten drei Jahren bei seinen festen Bezugspersonen zu sein. Ständig.

Aus diesem Grunde habe ich nicht im klassischen Sinne gearbeitet.

Du schmunzelst jetzt vielleicht über meine Einschränkung. Aber genau so ist es doch: In unserer Gesellschaft gilt die Arbeit, die eine Mutter tagtäglich leistet, nicht als Arbeit. Es ist selbstverständlich, dass wir Kinder und Haushalt unter einen Hut kriegen und dann noch dem Ehemann adrett und willig am Abend zur Verfügung zu stehen, wenn die Kinder im Bett sind.

Für all das bekommen wir KEINEN CENT!! Und wenn man es mal ganz genau nimmt, nicht mal die Anerkennung, die wir verdienen würden.

Wir kennen keine Wochenenden, wir sind immer auf Stand-by. Wir arbeiten Früh-, Mittel-, Spät- und Nachtdienste – am Stück. Urlaubsanspruch? Krankheitstage? Fehlanzeige. 😉

Zeit für uns selbst ist begrenzt, wenn überhaupt sie zur Verfügung steht. Abhängig vom Alter der Kinder natürlich. Denn in den ersten Lebensjahren kräht kein Kind nach den Bedürfnissen der Mutter.

Wir müssen funktionieren. Ohne Wenn und Aber. Ob krank oder müde. Oder schwanger. 😉

Gerade in den letzten Wochen ist mir einmal mehr bewusst geworden, wie wichtig dieses Funktionieren ist und wie das Leben zusammenbrechen kann, wenn die Person, die alles am Laufen hält, nicht mehr in gewohnter Weise funktioniert. Die Schwangerschaft fordert alles von mir. Ich konnte an sehr schlechten Tagen kaum noch sprechen oder einen Schritt vor den anderen setzen. Dies mit einem selbstbetreuten Kleinkind stellte eine echte Herausforderung unseres gewohnten Alltags dar und es gab viele Momente, in denen ich geweint habe vor Erschöpfung, Enttäuschung und Schuldgefühlen.

Eine weitere Herausforderung der Selbstbetreuer ist oft der finanzielle Aspekt. Und ja, das ist bei uns genauso. Ich kann Dir sagen, das ist unser Streitthema Nummer eins. Auch wenn wir uns einig sind über die Vorgehensweise unseren Sohn betreffend und wir es uns beide nicht vorstellen können, die Betreuung anders zu lösen.

So prüfe ich mal wieder unsere Einnahmen und Ausgaben. Vielleicht können wir ja noch was einsparen. Oder finden eine Möglichkeit, dass doch mehr Geld in die Kasse fließt. Durch die Schwangerschaft kommt zu Beginn des neuen Jahres zumindest nochmal Kindergeld hinzu. Und Elterngeld.

Und da sind wir wieder beim anfänglichen Thema. Es ist aus meiner Sicht nicht verständlich, dass ich nun beim zweiten Kind vermutlich mit 300 Euro Elterngeld „abgespeist“ werde, nur, weil ich (vermeintlich) nicht gearbeitet habe. Und das auch nur, wenn ich das Elterngeld auf ein Jahr beantrage. Das sind 700 Euro weniger als bei meinem ersten Kind.

Nun kommen die kritischen Stimmen, ich habe ja auch nichts in die Staatskasse eingezahlt. Stimmt. Hab ich nicht. Aber ich sorge dafür, dass meine Kinder psychisch stabile und selbstbewusste, durch sichere Bindung mit Urvertrauen ausgestattete Erwachsene werden. Die die Renten von morgen zahlen. Eine Investition in die Zukunft also. Nur geht es unseren Politikern leider nicht um das Kindeswohl sondern nur darum, zwei Lohnsteuern einzukassieren.

Wie kann es also sein, dass so viele Eltern vor einer Mauer der existenziellen Not stehen, nur, weil sie sich entscheiden, mehr als ein Kind zu bekommen! Kinder zu kriegen kommt heute einem monetären Lotteriespiel gleich. Das Armutsrisiko schwingt immer mit.

Als ich meinen Mann kennenlernte, ließ man ihm aufgrund von Unterhaltszahlungen (er brachte bereits zwei Kinder mit in die Beziehung) gerade mal 900 Euro zum Leben, wovon er alles bezahlen musste (Miete, Lebensmittel, Versicherungen, Telefon etc.)

Ein weiteres Beispiel ist eine Leserin meines Blogs, die nun ebenfalls mit Kind zwei schwanger ist und mir vor kurzem eine verzweifelte Nachricht zukommen ließ:

[…] „Wir rutschen durch unser zweites Baby nun in eine finanzielle Krise. Ich gehe Teilzeit in Elternzeit arbeiten und tatsächlich wird mir dieses Gehalt als Grundlage für mein zweites Elterngeld angerechnet. Ich schlittere also gerade so am Minimalbetrag vorbei. […] Und wenn mein Sohn mal den Wunsch äußert doch in die Kita gehen zu wollen? Ich könnte das gar nicht bezahlen.“

Bedrückend. Ernüchternd. Weit weg von romantisch. Es wirkt, als ob wir hilflos zuschauen müssten.

Doch wir können etwas tun! Wir sind nicht ohnmächtig. Wir sind mächtig. Aber nur, wenn wir handeln. Und zwar alle.

Das können wir tun:

Zum einen gibt es eine Petition, die Du unterstützen kannst. Es geht dabei um eine Forderung nach einheitlichem Elterngeld, siehe auch meinen zugehörigen Blogbeitrag mit entsprechender Verlinkung direkt zur Petition.

Weiterhin hast Du die Möglichkeit, Dich zu engagieren. In einem Familienverband z.B.

Ich habe das getan und wurde in den Vorstand des Verband Familienarbeit e.V. gewählt als eine der Beisitzerinnen. Wer sich engagieren will, aber nicht die finanziellen Mittel hat, kann auch helfen, indem er unsere Inhalte (konkret unser Rentenkonzept und die Wahlprüfsteine für die Bundestagswahl im September) weiter verbreitet und so dafür sorgt, dass die aktuellen Missstände bekanntgemacht werden.

Apropos Bundestagswahl.

 „Auch die jetzt schon seit Jahrzehnten bestehende Enteignung und Diskriminierung der Eltern insbesondere durch unser Rentenrecht kommt im Bundestag nicht mehr zur Sprache. Vor diesem Hintergrund erschien es uns erforderlich, die zur Wahl antretenden Parteien direkt auf die im Wahlkampf vernachlässigten Themen anzusprechen“, heißt es auf der Website des Verbandes.

Konkret wurden von uns als Verband Familienarbeit e.V. an alle großen Parteien Fragen geschickt zum Thema Familienpolitik.

Wir sind ein parteiunabhängiger Verband, so dass wir allen Parteien die Möglichkeit gegeben haben, sich zu äußern. Die Fragen beinhalten die Bereiche Jugend- und Alterssicherung, die U3-Betreuung und das von uns geforderte Wahlrecht ab Geburt.

Auf einen Blick können wir uns nun zu „unserem“ Thema ein Urteil bilden, statt uns die einzelnen Partei-Wahlprogramme mühevoll rauszusuchen und durchzulesen, auf dem Weg zu den Inhalten, die uns wirklich interessieren.

Das ist unsere Chance, etwas zu verändern. Wir haben es in der Hand. Jeder einzelne von uns!

Also, worauf wartest Du noch? Schreib es uns in den Kommentaren hier unter diesem Beitrag. Wir sind für Dich da!