Bist Du auch eine Mami, die auf die Bedürfnisse ihres Sprößlings schaut? Diese wahrnimmt, sie ernst nimmt und entsprechend handelt? Dann sind wir auf einer Wellenlänge. 🙂

In unserem Urlaub habe ich eine Situation miterlebt, die mich glücklich gemacht hat. Glücklich, weil der Papa des kleinen Jungen, um den es gleich gehen wird, die Gefühle seines Sohnes wahrgenommen und ernstgenommen hat und zudem entsprechend gehandelt hat. Nämlich bedürfnisorientiert.

Fallbeispiele machen die graue Theorie lebendig, also los geht´s:

Ein Junge (ca. 3 Jahre alt) wird in der Kinderbetreuung der Ferienunterkunft abgegeben. Sein Vater hat ihn dort hingebracht, in voller Joggingmontur, und ist bereits außer Sichtweite.

Der Kleine wird gefragt, wie er sich das Bein gebrochen hat, da er einen Gips tragen muss. Er antwortet, er wisse es nicht. Der Animateur fragt verdutzt nach, warum er das denn nicht weiß, woraufhin der Kleine in Tränen ausbricht.

Sein Vater, der zwar außer Sicht-, nicht jedoch außer Hörweite zu sein schien, biegt um die Ecke und schließt seinen Sohn liebevoll in die Arme.

Auf die Frage, was denn los sei, bringt der Junge verschiedene Gründe an, warum er gerade weine (er habe z.B. die falsche Mütze eingepackt), keinen jedoch, der aus Sicht eines Erwachsenen wirklich das Weinen begründet.

Bis der Kleine nach verschiedenen Erklärungsvariationen beiläufig erwähnt, er wolle bei seinem Papa sein, nicht in der Kinderbetreuung. Was augenscheinlich der wahre Grund für sein Weinen ist.

Der Papa lenkt nach einigen erfolglosen Überredungsversuchen ein, eine Runde mit dem Jungen zu spielen, bevor er ihn zurück in die Gruppe bringt.

Er kam jedoch nicht mehr zurück, was dafür spricht, dass der Kleine seinem Papa verständlich machen konnte, was er wirklich braucht: Zeit mit ihm!

Wunderbar, oder? Fühlt sich gut an, wenn man da reinspürt. Genau so muss es sein, nicht anders!

Trennung muss nicht geübt werden!

In einem Forum wurde kürzlich die Frage diskutiert, wie man zu früher Fremdbetreuung stehe. Das ist natürlich MEIN Thema. Darüber kann ich ewig philosophieren. Hab ich auch. 😉

Eine Mutter antwortete, ihr wurde während der Eingewöhnungszeit in der Kita geraten, ihr Kind weinend zurückzulassen. Es würde sich schon arrangieren. Oh, mein Gott. Bitte bitte tu dies NIEMALS! Trennung von der Mutter bedeutet für ein kleines Kind aus evolutionärer Sicht den sicheren Tod. Das fühlt sich wiederum überhaupt gar nicht gut an, oder?

In meinem Gratisgeschenk für Dich „Was Du bei Trennung unbedingt beachten musst – das geht in Deinem Kind vor“ schildere ich eingehend, wie sich unsere Kinder fühlen, wenn sie mit Trennung von ihrer Hauptbezugsperson konfrontiert werden, und was Du tun kannst, damit Dein Kind Trennung besser „verkraftet“.

Die Grundbedürfnisse müssen erfüllt sein!

Damit sich ein Kind zu seinem ganz persönlichen vollen Potential entfalten kann, müssen die Grundbedürfnisse erfüllt sein.

Den Eltern nahe zu sein ist also eines kindlicher Grundbedürfnisse. Kleinkinder brauchen liebevolle und verlässliche Bezugspersonen. Sie brauchen Geborgenheit. Und mindestens einen Menschen, an den sie gebunden sind und der sie nicht enttäuscht. Sie müssen das Gefühl haben, angenommen und anerkannt zu werden, so, wie sie sind, und nicht, wie wir sie haben wollen. Sie müssen sich beschützt fühlen, so dass sie sich aus dieser Sicherheit heraus in die große weite Welt hinaus trauen.

Urvertrauen, Liebe, Geborgenheit, Schutz etc. auf emotionaler Ebene.

Essen, Trinken, Schlafen, Wärme, Obdach etc. auf physiologischer Ebene.

Die Bedürfnisse wachsen mit dem Reifungsprozess

Bei unserem derzeit 19 Monate alten Sohn geht es nicht mehr ausschließlich um die Grundbedürfnisse. Natürlich auch. Aber seine Bindung an uns ist mittlerweile so stark, dass er sich ein paar Meter von uns weg traut um eigene Erfahrungen zu machen. So kommt es vor, dass ich in der Küche bin, während er im Wohnzimmer spielt. Nur, wenn es zu leise ist, gucke ich vorsichtshalber mal nach, ob alles in Ordnung ist. Beziehungsweise das Wohnzimmer noch steht. 😉

Die Grundbedürfnisse sind zwar erfüllt, ich habe jedoch den Eindruck, dass die Liste der aktuellen Bedürfnisse täglich zunimmt.

Einige Beispiele möchtest Du haben?

Kein Problem!

Mein Sohn hat das Bedürfnis, auf den Tisch zu klettern: Darf er. Nur, wenn es für ihn gefährlich wird, schreite ich ein. Da er eine echte Kletternatur ist, und das offensichtlich in seiner Natur liegt, es also sein Bedürfnis ist, wäre ich ohnehin den ganzen Tag damit beschäftigt, „nein“ zu rufen. Und stell Dir mal vor, es wäre seine Anlage Reinhold Messner 2.0 in diesem Leben zu werden und ich verhindere dies bereits in den ersten Lebenstagen, weil er von mir lernt, Klettern sei gefährlich.

Mein Sohn hat das Bedürfnis, alle Küchenschränke auszuräumen: Macht mir zwar viel mehr Arbeit, aber ich erlaube es, weil es reine Bequemlichkeit wäre, es zu verbieten – natürlich sind die scharfen und gefährlichen Gegenstände vorher weggeräumt worden.

Mein Sohn will unbedingt das Messer haben, das auf dem Esstisch liegt: Dieses Bedürfnis erfülle ich nicht, denn: Safety first! Genauso bei Putzmitteln oder ähnlich giftigen Substanzen.

Leider bleibt es aktuell nicht aus, dass auf ein Verbot ein großes Geschrei folgt.

Was in unseren Kindern vorgeht, wenn sie etwas nicht haben dürfen oder können und sich deswegen schreiend auf den Boden schmeißen, kannst Du hier nachlesen.

Das Ziel ist die wundervolle Bindung

Wenn Du darauf achtest, dass die Bedürfnisse stets erfüllt sind, wird es Dir Dein Kind durch eine wundervolle Bindung zu Dir danken. Denn Du begegnest ihm auf Augenhöhe, ihr seid gleichberechtigt. Ich bin fest davon überzeugt, dass unsere Kinder das spüren.

Ein Investment in unsere Zukunft

Wir lesen doch immer: Unsere Kinder sind die Zukunft (der Welt). Behandeln wir sie bitte schön auch so! Unsere Gesellschaft braucht dringend Kinder, die in ihrer Mitte ruhen, weil ihr Urvertrauen und ihre (Grund-)Bedürfnisse in der Kindheit erfüllt wurden.

Investieren wir in unser aller Zukunft. Wenn wir nämlich auf die Bedürfnisse unserer Kinder hören, diese sehen und fördern, lernt das Kind, wer es wirklich ist. Denn die Anlagen, was es mal sein will und wird, bringt das Kind schon mit auf diese Welt. Das Problem ist, dass wir ihnen einen Stempel aufdrücken, den wir für richtig halten. Ich setze mal voraus, dass wir alle nur das Beste für unsere Kinder wollen. Aber das in unseren Augen Beste mag unter Umständen nicht das Beste für unser Kind sein. Nicht seiner eigenen Wahrheit entsprechen.

„Die Menschen werden als Individuum geboren, aber die meisten sterben als Kopie“.

Lass uns gemeinsam dafür sorgen, dass so viele Kinder wie möglich herausfinden, wer sie sein wollen in diesem Leben!

Magst Du uns von den Bedürfnissen Deines Kindes erzählen? Ich bin schon so gespannt! Bis gleich in den Kommentaren, meine Liebe.