„Die Welt braucht glückliche Eltern und selbstbestimmte Kinder! – Das ist mein Antrieb“, so Anna-Leke vom Blog ‚Mami Meckerfrei‘.

Joa, glücklich bin ich als Mutter schon echt gerne. Und wenn ich dann noch glückliche Kinder habe, die wissen, wer sie sind und was sie wollen, klar, gerne!

Mein Antrieb nachdem ich ihre Worte las: Darüber möchte ich mehr wissen.

Für mich.

Für Dich.

Für meine Familie und für Deine ebenso.

Denn ich denke, wenn wir alle ein paar Grundregeln beherzigen, wird das Familienleben wirklich harmonisch(er).

Ich jedenfalls will mehr.

Und so bat ich Anna-Leke kurzum, mir für mich und für Dich und für uns ein Interview zu geben.

Und sie sagte zu. 😀

 

Dein Blog trägt den Titel „Mami Meckerfrei“. Ich möchte behaupten, dass annähernd JEDE Mutter sich hier wiedererkennt. 😉 Wie kamst Du auf die Idee? Warst Du eine Mami, die viel gemeckert hat?

Ich würde behaupten, ich war schon immer eine recht lockere Mami.

Ich habe mich direkt nach Justus‘ Geburt mit dem Thema „Bedürfnisorientierte Begleitung“ beschäftigt. Allerdings arbeite ich seit 14 Jahren in unterschiedlichen KiTas, da galt ich (bis zu meinem Umdenken) stets als „liebevoll konsequent“. Meckern, Verhalten korrigieren war normal, wichtig und gehörte einfach dazu. Dass das „Hin-Ziehen“ nichts mit „liebevoll“ zu tun hat, wurde mir erst nach Justus‘ Geburt bewusst. Und trotz meiner Lockerheit, begleiteten mich einige sehr zähe Brocken auch auf dem Mami-Weg noch lange. Ich konnte es zum Beispiel nicht ertragen, wenn Justus Schweinereien veranstaltete, oder rumtrödelte. Da hat es innerlich in mir gebrodelt und oft hat er das dann zu spüren bekommen. Und auch jetzt begleiten mich natürlich weiterhin Themen. Wir sind alle auf dem Weg, die perfekte Über-Mutti findest du hier nicht.

MamiMeckerfrei entstand, weil ich um mich herum so viele Mütter erlebt habe, denen sehr wohl bewusst war, dass sie in der Beziehung zu ihrem Kind, etwas verändern möchten, doch nicht so recht wussten, wie. Durch meine GfK-Ausbildung (Anmerkung: Gewaltfreie Kommunikation) habe ich das Wissen, das ich gern weitergeben mag. Durch die Innere-Kind-Arbeit, die ich in meinen Coachings ebenfalls nutze, kommen viele Menschen noch besser an ihre eigenen Themen heran, deshalb verbindet MamiMeckerfrei diese beiden genialen Dinge miteinander. Das Tor zu mehr Harmonie und Leichtigkeit öffnete sich… erst für mich…und nun für viele Mamis.

 

Was hat den Umschwung gebracht? Gab es ein Aha-Erlebnis?

Die Geburt meines Sohnes. Meine innerliche Reaktion auf all die Dinge, die mir geraten wurden, waren mein Aha-Erlebnis. Ich dachte immer öfter „So, wie ich es in der KiTa gemacht habe, könnte ich das mit Justus gar nicht“. Es kam einfach aus dem Inneren heraus.

 

Was hat Dir dabei geholfen, etwas an Deinem Verhalten zu verändern?

Geholfen hat mir die Selbstreflektion. Mit Hilfe der GfK und der Inneren-Kind-Arbeit habe ich mich selbst besser verstanden. Verstanden, was in diesen Situationen, in denen ich innerlich brodelte, in mir vor ging. Meine kleine, innere Anna-Leke hilft mir, zu erkennen, was ich brauche, um gelassener bleiben zu können. Ich nehme mich quasi selbst an die Hand und bin für mich da. Wie eine liebevolle Mami.

 

Du beschäftigst Dich mit der „Gewaltfreien Kommunikation“ (GFK) nach Marshall B. Rosenberg. Worum geht es dabei?

Die GfK wird an sich meist als Kommunikations-Methode verstanden, doch der Hintergrund ist ein anderer. Es geht darum, eine mitfühlende Haltung zu entwickeln. Eigene Bedürfnisse und Wünsche zu entschlüsseln. Und natürlich auch die des Kindes, des Partners, jedes Menschen um mich herum. Und es geht darum, die volle Verantwortung für meine eigenen Gefühle und Bedürfnisse zu übernehmen, nicht vom Kind zu erwarten, diese zu erfüllen. Andersherum bin ich, als Elternteil aber sehr wohl verantwortlich für die Beziehung zum Kind. Das klingt jetzt vielleicht erst einmal sehr theoretisch, weiter unten erläutere ich das Ganze an einem Beispiel. Die 4 Schritte, die vielen aus der GfK bekannt sein dürften (Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis, Bitte), gebe ich natürlich ebenfalls an meine Coachees weiter, wichtiger ist mir aber, wie gesagt, die Haltung.

 

Würdest Du sagen, die GFK kann das Familienleben harmonisch(er) machen? Welche Wandlung kann sie innerhalb der Familie erzielen?

Absolut! Einer der Haupt-Punkte der GfK ist die Freiwilligkeit. Das klingt im ersten Moment vielleicht beunruhigend, denn das „Ich kann meinem Kind doch aber nicht alles erlauben?!“ steckt fest in unseren Köpfen. Doch durch den unendlich großen Lösungsschatz, der für den Alltag entstehen kann, geht es schnell nicht mehr um „erlauben oder verbieten?“ sondern um „welche Lösung passt für uns alle?“.

Konkret heißt das, sich selbst zu hinterfragen, ob die Bitte/Anfrage, die ich gerade geäußert habe, tatsächlich eine solche war, oder ob es eigentlich eine Forderung war. Der Unterschied wird deutlich, wenn mein Gegenüber „Nein“ sagt. Ist das ok für mich und ich suche, wie selbstverständlich, nach einer anderen Lösung? Dann war es eine Bitte/Anfrage. Werde ich wütend, genervt, war es eine versteckte Forderung und hat nichts mit GfK zu tun.

Das heißt nicht, dass es immer zu 100 Prozent klappt, völlig gewaltfrei und empathisch mit allen um mich herum und mir selbst zu sein, wir sind ja keine Übermenschen. Doch ist die Entscheidung gefallen, so leben zu wollen und sich stetig selbst zu reflektieren, kann es nur bergauf gehen, wenn auch erst einmal mit Hindernissen, Hubbeln und Schlaglöchern. Sie werden weniger, versprochen.

 

Welche Rolle spielen die Bedürfnisse aller Beteiligten bei der GFK?

Es geht immer um die Bedürfnisse aller. Manche Eltern verstehen die GfK und Bedürfnisorientierung so, dass es nur um die Bedürfnisse der Kinder geht. Das stimmt aber nicht und ist auch fatal. Wichtig ist eben, zu wissen, was wirklich ein Bedürfnis ist und was eine Strategie und dementsprechend zu handeln.

Die GfK zeigt z.B. auch, wie ich mit meinem Kind umgehen kann, wenn ich ein Bedürfnis gerade nicht erfüllen kann.

 

Gibt es typische Konfliktsituationen, bei denen die GFK helfen kann?

Die GfK hilft in jeder Situation, da es, zumindest für mich, eben nicht um einen bestimmten Satzbau, eine Technik geht, sondern um die Haltung.

Ein typisches Beispiel ist „Was tun, wenn ich mit Kind ständig in Zeitnot gerate?“

Hier könnte ich nun anfangen, am Kind herumzumäkeln, das Kind verantwortlich machen fürs Zuspätkommen. „Ständig trödelst du herum, jetzt beeil dich endlich mal. Wenn du jetzt nicht kommst, gibt es nachher keine Sendung für dich“ usw.

Wenn ich in der emphatischen Haltung bin, schaue ich (entweder in, oder nach der Situation) was in mir lebendig wird in solchen Momenten. Welche Bedürfnisse sind überfüllt? Was brauche ich eigentlich? Da könnte in dieser Situation passen, dass ich zum Beispiel denjenigen, mit dem ich verabredet bin, nicht enttäuschen möchte. Dass ich Sorge habe, mich unbeliebt zu machen. Dass ich um meinen Job bange. Für all diese Dinge kann mein Kind aber nichts! Es ist also meine Aufgabe, zu schauen, wie ich solche Situationen anders handhaben kann. Dazu kann ich mich fragen:

  • Wie kann ich für noch bessere Organisation sorgen?
  • Wie kann ich dafür sorgen, keine Angst um Freundschaft oder Job haben zu müssen, ohne die Beziehung zu meinem Kind zu belasten?

Außerdem wäre es sinnvoll, zu schauen, welche Bedürfnisse bei dem Kind im Mangel sind, wenn es (scheinbar nur) trödelt. Braucht es Ruhe, ist die KiTa vielleicht anstrengend? Ist es der Weg, der meist in Gehetze ausartet?

Was würde helfen, um diese Dinge zu verändern? Vielleicht ein neues Fahrzeug für das Kind? Eine kleine „Verschönerung“, wie z.B. der Umweg zum Tante-Emma-Laden? – Ja, für mich gibt es einen Unterschied zwischen Manipulation und „Wir verschönern uns die Situation“.

Früher aufstehen? Eine neue CD im Auto? Kleidung für den kommenden Tag schon am Abend anziehen? Früher aus der KiTa abholen? Mal einen freien Tag?

Oder steckt vielleicht eher dahinter, dass sich das Kind Verbindung/Nähe wünscht?

Dann wäre es schön, noch vor dem Losgehen ein paar Minuten intensive Gemeinsam-Zeit zu haben. Ohne Zeitdruck im Hinterkopf. Kuscheln, ein Buch lesen…

Oder ist es vielleicht die Sicherheit, die dem Kind in diesem Moment fehlt, aufgrund von Entwicklungsschüben und/oder der momentanen Lebensumstände? Dann wäre ein Begleiter vielleicht hilfreich, zum Beispiel ein Stofftier des Kindes mitzunehmen.

Oder, oder, oder. Ich sage immer, dass es mindestens 2.000 Lösungen für jedes Problem gibt. In meinen Coachings helfe ich Eltern, die genau für sie und ihre Familie, passende Lösung zu finden.

 

Magst Du uns ein paar Praxisbeispiele nennen, damit es für uns anschaulich wird?

Weitere Beispiele, in denen die GfK mir und anderen Müttern schon geholfen hat, waren z.B.:

– wenn das Kund haut/beißt/kratzt

– Geschwisterstreit

– Wutausbrüche

– Ängste

– Wickeln und Anziehen

– eigene Grenzen erkennen und wahren

– Sätze so formulieren, dass das Kind freiwillig kooperieren mag

– und vieles mehr

 

Gib uns bitte ein paar Tipps an die Hand, die wir im Zusammenleben mit unseren Kindern direkt umsetzen können. Für ein harmonischeres Miteinander.

Meine Lieblingsredewendungen /Zitate von Rosenberg sind:

-„Wenn du nur 2 Lösungen (Ja oder nein) siehst, hast du das Problem (die dahinter liegenden Bedürfnisse) nicht verstanden.

– Sind die Bedürfnisse von Menschen erfüllt, haben sie Lust, Bitten/Anfragen zu „bejahen“

– Nicht „Entweder, oder“, sondern „Sowohl, als auch“

– Ein Kind strebt IMMER, mit allem, was es tut, nach Liebe und möchte gesehen werden

– Ein Kind (jeder Mensch in jedem Alter) handelt nie gegen jemand anderen, sondern immer für sich

 

Magst Du uns noch etwas mit auf den Weg geben?

Ja. Denke in dem ganzen Kinder-Bedürfnis-Dschungel wirklich auch an dich selbst.

Wer ständig über seine eigenen Bedürfnisse (andere nennen es „Grenzen“) hinweggeht, ist nicht mehr in der Lage, emphatisch und gewaltfrei zu sein.

Nicht „Ich kann nur ruhen, wenn Kind schläft, ich brauche dringend Ruhe, aber Kind schläft einfach nicht!“ sondern „Wie kann ich es schaffen, Ruhe zu bekommen, obwohl Kind wach ist?“

Sei gut zu dir selbst. Es ist alles eine Übungssache. Schenke dir selbst so viel Liebe und Geduld, wie du gern für deine Kinder hättest. Du schaffst das! Die Entscheidung, etwas verändern zu wollen, war der erste und größte Schritt. Du bist ihn gegangen, nun heißt es dranbleiben.

 

Mehr über Anna-Leke und MamiMeckerfrei:

Du kannst Anna-Leke jederzeit mit deinem Anliegen kontaktieren. Am 4.3.startet ihr 5-Tage-Intensivkurs für mehr Harmonie im Familienalltag. Kostenfrei und online. Melde dich jetzt über die Website , oder direkt über Facebook an und sei dabei. Lass dich von Anna-Leke an die Hand nehmen auf dem Weg zur bedingungslosen Liebe zu deinen Kindern und dir selbst.