Wenn unsere Hebamme während meiner Schwangerschaft zu uns nach Hause kam, blieb sie immer länger, als sie geplant hatte. Frauen unter sich. Wir plauderten über Gott und die Welt, und die Zeit verging dabei immer wie im Fluge. Ich erzählte bei unseren Treffen viel von mir und von meinen Plänen, wenn unser Söhnchen erst mal auf der Welt ist.

Eines Tages sagte sie mehr beiläufig zu mir: „Du wirst sicher einmal eine dieser Helikopter-Mütter“. Diesen Begriff kannte ich bisher nicht. Nachdem sie sich verabschiedet hatte, konsultierte ich kurzerhand meinen besten Freund „Google“. Die Seite www.helikopter-eltern.de ist aufschlussreich.

Was also sind Helikopter-Eltern? Sie…

  • Halten sich ständig in der Nähe ihres Kindes auf
  • Überwachen es in seinen Aktivitäten
  • Kontrollieren, wen es zum Freund hat
  • Versuchen, jeden Schaden von ihm fernzuhalten
  • Erfüllen ihm all seine Wünsche
  • Setzen sich hartnäckig für sein Wohlergehen ein
  • Setzen ihr Kind unter Bildungs- und Leistungsdruck

All diese Punkte werden zusammengefasst in einem Begriff: „Überbehütung“. Das klingt nicht gerade nett und positiv, oder?

Klar, als Eltern wollen wir nur das Beste für unser Kind. Wohl jeder, der Mami oder Papi von einem oder mehreren Kindern ist, empfindet das so. Was das Beste ist, ist jedoch subjektiv.

Ich halte mich beispielsweise ständig (und auch sehr gerne) in der Nähe meines Kindes auf. Das mag am Alter unseres Sohnes liegen, der noch sehr viel Aufmerksamkeit und Nähe braucht. Auch „überwache“ ich selbstverständlich noch seine Aktivitäten, schon alleine, damit er sich nicht verletzt. Immerhin kann er noch nicht selbst einschätzen, dass auf der Straße Autos fahren.

Stelle ich mir die Zukunft vor, sehe ich nicht, dass ich mein Kind überwache und kontrolliere. Wenn mein Sohn meine Nähe, meinen Rat, meine Liebe braucht werde ich immer, ohne Ausnahme, für ihn da sein. Und wenn er es wünscht, halte ich mich solange er es braucht in seiner Nähe auf.

Dass wir als Eltern jeglichen Schaden von unseren Kindern fernhalten möchten, halte ich für verbreitet und gesund. Trotzdem sollten wir auch einen Weg finden, die Selbständigkeit und das Selbstbewusstsein zu fördern. Lassen wir sie erforschen, eigene Erfahrungen machen, ihre Grenzen kennenlernen, selbst ausprobieren, selbständig Denken und Handeln. Und sind als emotionaler Rückhalt zur Stelle, wenn wir gebraucht werden.

Wenn sich der Schaden als negative Gefühle wie Traurigkeit äußert, die wir von unseren Kindern fernhalten wollen, ist das für die Entwicklung der Kinder eher hemmend. Dass wir traurig sind wenn Oma stirbt ist schließlich völlig normal und darf auch durch Weinen vorgelebt und gezeigt werden. Auch, wenn Coolness in unserer Gesellschaft als erstrebenswert gilt, in Wirklichkeit ist es viel wichtiger, seine Gefühle zulassen zu können, zu erforschen, zu deuten und sie er-tragen zu können.

Seien wir Vorbilder für unsere Kleinen, damit sie lernen, auch mit Emotionen, komplizierten Situationen und Konflikten umzugehen.

Auch alle Wünsche des Kindes erfüllen zu wollen kann nach hinten losgehen. Das Kind gewöhnt sich daran, fordert, wird ungenügsam und anspruchsvoll. „Minimalismus“ ist derzeit in aller Munde (hier kannst Du mehr erfahren). Wir sind aktuell leider ziemlich weit entfernt davon: Unser Sohn wird überschüttet mit Spielzeug, so dass er schon völlig reizüberflutet ist. Hier besteht definitiv Handlungsbedarf! Weniger ist oft mehr und fördert zudem noch die Kreativität.

Der letzte Stichpunkt, das Kind unter Bildungs- und Leistungsdruck zu setzen, erscheint mir ein ganz wichtiger. Dazu möchte ich vor allem sagen: Lassen wir unsere Kinder Kinder sein.

Ich habe gelesen, dass immer mehr Kinder bereits an Burn-out leiden, und wenn ich den Stundenplan meiner Nichte ansehe, und höre, wie viele Arbeiten sie in einem Monat schreibt, verwundert mich das nicht. Kommt jetzt nachmittags noch Sportprogramm oder Musikunterricht zu den vielen Hausaufgaben hinzu, entwickeln unsere Kinder echten Stress. Das muss wirklich nicht sein!

Auf meine eigenen Schulnoten will ich gar nicht groß eingehen (es gibt auch keinen Grund, damit zu prahlen). Aber aus mir ist trotzdem „etwas“ geworden. Schimpfen wir also nicht über eine 3, sondern freuen uns, dass es keine 4 oder 5 ist. 😉

Nun, bin ich wohl eine Helikopter-Mutter?

Ehrlich gesagt: In manchen Aspekten erkenne ich mich tatsächlich wieder.

Wenn es bedeutet, dass ich mein Kind über alles liebe, nur sein absolut Bestes möchte, und der schönste Ort der Welt für mich der ist, wo sich mein Kind befindet, dann, verdammt, ja, bin ich eine Helikopter-Mutter!

In diesem Sinne…

Ich heb´ dann mal ab! Aber meinen Sohn nehm´ ich mit. 😉

Magst Du uns erzählen, ob Du eine Helikopter-Mutter bist? In den Kommentaren hast Du die Möglichkeit dazu!