Neulich Nachmittag auf dem Spielplatz:

Ich unterhalte mich mit einer Mutter, deren Kind gerade schaukelt. Der Junge ist älter als Emil, etwa drei Jahre alt. Er sucht immer wieder die Nähe und Aufmerksamkeit seiner Mutter, indem er ihr zuruft: „Mama, guck mal“.

Dann kommt er zu ihr gelaufen und sucht eindeutig ihre Nähe.

Sie bügelt ihn ab und schickt ihn wieder weg.

Zu mir gewandt erklärt sie fachmännisch: „Er will nur meine Aufmerksamkeit.“

Ach, echt??

Das ist ja mal außergewöhnlich, nachdem er den ganzen Tag im Kindergarten verbracht hat und dort seine Mutter wahrscheinlich schon schmerzlich vermisst hat.

Wo fange ich da an zu erklären, was ein Kind in dem Alter am Nötigsten braucht??

Bindung, Bindung, Bindung!

Nähe, Nähe, Nähe!

Aufmerksamkeit, Aufmerksamkeit, Aufmerksamkeit!

Natürlich brauchen unsere Kinder Aufmerksamkeit. Ganz viel sogar! Erst Recht, wenn das Menschlein tagsüber noch fremdbetreut wird.

Geben wir ihnen ein Overload, so dass sie gesättigt sind und es ihnen sogar zu viel ist, wenn Mama schon wieder Nähe sucht. 😉

Die Lösung liegt jedenfalls nicht darin, unseren Kindern zu vermitteln, dass es uns zu viel ist.

Keine Frage, vielleicht hatten wir einen anstrengenden Arbeitstag, haben die Arbeit zudem noch im Kopf mit nach Hause genommen.  Das verstehe ich.

Dein Kleinkind aber kann sich nicht in Dich einfühlen.

Selbst wenn Du ihm erklärst, dass Du den Kopf voll hast, es wird Deine Ablehnung auf jeden Fall auf sich beziehen und gegen sich verstehen.

Es sollte Dein Ziel sein, erst recht, wenn Du Dein Kind nicht selbst und ständig betreust, die Hauptbindungsperson für Dein Kind zu bleiben. Denn wenn das Kind lernt: „Mama ist nicht für mich da“, muss es sich Alternativen suchen, an die es sich binden kann.

Statt nach dem Abholen im Kindergarten noch einkaufen zu gehen, das Abendessen im Eiltempo zu erledigen und dann die Kinder ab ins Bett zu schicken, wie wäre alternativ folgendes Szenario:

Abholung vom Kindergarten. Gerne schaust Du Dir noch an, was Dein Junior heute gemalt hat und lauschst seinen Geschichten.

Du hast Dir im Vorfeld schon überlegt, womit Du Deinem Kind am Nachmittag eine Freude machen kannst. Spielplatz ist immer eine gute Idee. Davon kann es nie genug bekommen. Also ab zum Spielplatz.

Du setzt Dich nicht auf die Bank sondern bist nah bei Deinem Kind, um zu erfassen, was es gerade braucht. Du wirst merken, ob es in dem Moment freispielen will und sich nur Deiner Nähe bewusst sein möchte, oder ob es Deine Aufmerksamkeit braucht. Entsprechend gibst Du ihm/ihr, was er/sie in dem Augenblick benötigt.

Deine Augen und Ohren sind offen für die Bedürfnisse Deines Kindes.

Die Armbanduhr hast du vorsichtshalber ausgezogen, weil die Zeit eh keine Rolle spielt. Dein Fokus liegt darauf, was Dein Kind möchte. Das heißt nicht, dass Du nicht auch Tricks anwenden darfst, um es nach einer Weile dafür zu begeistern, den Heimweg anzutreten. 😉

Dort bereitet ihr gemeinsam das Abendessen vor und setzt euch gemütlich in der Familie zusammen. Selbstverständlich darf sich Dein Kind vor dem Schlafen gehen noch ein Buch aussuchen, das ihr zusammen lest.

Ihr lasst den Tag Revue passieren und dankt für alle Begegnungen mit lieben Menschen und dafür, dass ihr einander habt.

Du wirst merken: Dein Kind ist deutlich entspannter und fordert auch nicht so viel, wenn Du Nähe und Liebe über das geforderte Soll hinaus gibst.

Probiere es aus!

Dein Kopf wird freier (da Du Dich auf das Wesentliche zurückbesinnst) und Dein Kind wird es Dir danken.

Ich freue mich auf Deinen Bericht in den Kommentaren. Bis gleich.