– Kooperativer Artikel –

Als ich im April 2014 die Nachricht erhielt schwanger zu sein, war ich außer mir vor Freude. Aber ich war auch verunsichert und ängstlich, da ich vor langer Zeit zwar, aber dennoch nie vergessen, eine Fehlgeburt erleben musste. Etwa bis zur zwölften Schwangerschaftswoche bewegte ich mich gefühlt gar nicht, las Unmengen von Büchern liegend auf der Couch, in der Hoffnung, dass es so auch nicht zu einer Fehlgeburt kommen könne.

Als wir die 12. Woche erreicht hatten, traute ich mich ein wenig mehr, doch war ich die gesamte Schwangerschaft über sehr vorsichtig und schonte mich und mein Baby weitgehend.

Dennoch passierte, was ich so sehr vermeiden wollte: Es gab Komplikationen.

Ich weiß es noch genau: In der 33. Schwangerschaftswoche alberte ich an einem Sonntag mit meinem Mann herum. Wir haben gelacht, es war so schön.

Während eines Lachanfalls platzte meine Fruchtblase.

Eigentlich schön, der Moment des Lachens, aber leider viel zu früh der Zeitpunkt.

Ich kam liegend mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus. Natürlicherweise müssten jetzt demnächst die Wehen losgehen, doch tatsächlich bekam ich Lungenreifespritzen für Emil und Wehenhemmer für mich, damit die Wehen eben nicht einsetzten.

Ich lag drei Tage lang im Bett, durfte nicht mal für den Toilettengang aufstehen. Ich weiß noch, dass mir aufgrund der Medikamente, die ich bekam, wahnsinnig heiß war, und ich meine Zimmergenossin bat, das Fenster – es war Dezember! – sperrangelweit aufzulassen. Gott sei Dank war das für sie in Ordnung. Ich wäre sonst vermutlich gestorben. 😉

Als die Wehenhemmer abgesetzt wurden gingen die Wehen selbständig los und ich gebar, vier Tage nach dem Blasensprung, mein erstes Kind in 34+1.

46 cm groß, 2490 Gramm schwer.

Er war von Anfang an ein Kämpfer: Apgar 10/10/10.

Bis zu seinem vierten Lebenstag war auch alles in Ordnung, außer, dass wir wenig beisammen sein konnten. Das war ehrlich gesagt die Hölle (für uns beide), und wir merken heute noch Nachwehen aus dieser ersten Trennungszeit.

Als Emil vier Tage alt war baute er heftig ab. Die Flüssigkeit, die man ihm inzwischen über die Magensonde gab, wurde von seinem kleinen Körper nicht mehr verdaut, er war apathisch und kaum noch ansprechbar. Ein ganz anderes Würmchen lag da nun vor mir.

Ich entließ mich selbst von der gynäkologischen Station und bat die Schwestern darum, mir ein Feldbett neben ihm aufbauen. Gut so. Denn nachts um vier Uhr entschieden die Ärzte, dass er von der Kinderstation auf die Intensivstation verlegt werden sollte.

Wir packten schnell ein paar Sachen zusammen und liefen durch einen unterirdischen Gang auf dem Gelände der Uniklinik in ein anderes Gebäude. Dort standen mindestens zehn Ärzte bereit, die sich in den nächsten vierzehn Tagen um unseren Sohn kümmern würden.

Was genau er hatte wissen wir bis heute nicht.

Wieder auf der normalen Kinderstation begrüßte uns der behandelnde Arzt, den wir noch aus den ersten Tagen kannten, mit den Worten: „Ich bin so froh, Sie (wieder) zu sehen“.

Da war mir klar, wie knapp unser kleiner Kämpfer dem Tod von der Schippe gesprungen war.

Als wir nach insgesamt vier Wochen Krankenhausaufenthalt endlich nach Hause durften – ich war ja selbst ewig nicht dort gewesen – erwartete uns viel Glückwunsch-Post und ein Paket, das an Emil adressiert war.

Voller Vorfreude riss ich das Paketband ab und öffnete ungeduldig die Laschen des Päckchens.

Darin befand sich ein buntes Handtuch aus dem Onlineshop Jako-O. Es war riiiiiesig. Zumindest gemessen an der Körpergröße unseres kleinen Emils. 140 cm x 140 cm wirkt an einem 46 cm kleinen Wesen wie ein gigantisches Bettlaken.

Das schönste an dem Handtuch aber war die Stickerei „Emil“ auf der Kapuze.

Bei dem Gedanken daran, dass mein kleines Würmchen, das gerade so viel Schlimmes erleben musste, irgendwann einmal vor mir stehen und ich das bunte Tuch um seinen (dann größeren) Körper legen würde… bei der Vorstellung traten mir die Tränen in die Augen, so sehr freute ich mich, dass er die ersten kritischen Wochen überlebt hatte.

Und ich freute mich auf all die gemeinsame Zeit, auf alles, was noch vor uns liegt.