Die menschlich hochwertigen Leistungen in den Familien setzt die Gesellschaft leider oft ohne großes Bewusstsein unausgesprochen voraus. Sie wird oft zum Geheimnis (Privatsache) gemacht. Das ist dann der Fall, wenn die nötige Bewusstseinsarbeit für das nicht ausreicht, was in den Familien geschieht und wozu es notwendig ist. Gerade dadurch entstehen oft unnötige Konflikte.

Diese Leistungen verdienen es, öffentlich angesprochen zu werden. Deshalb habe ich besonders die kindbezogenen Tätigkeiten der Eltern – vornehmlich der Mütter – zusammengestellt. Es geht allgemein um Bewusstseinsarbeit.

In der Familienarbeit des Alltags ist die Gestaltung des Familienlebens durch Kinderbetreuung und -erziehung vorrangig. Dazu gehören (in Klammern berufliche Orientierung):

  • Säuglingspflege: stillen, trockenlegen, Körperpflege des Kindes, ständige Bereitschaft und Bewachung als kindgebundene Zeit
    (Pflegearbeit, Bereitschaft)
  • Kinderbekleidung beschaffen und pflegen
    (Versorgen)
  • Begleitung zu präventiven Kindervorsorgeuntersuchungen, Impfungen, zahnärztlichen Kontrolluntersuchungen und therapeutischen Behandlungen, weitere von den Ärzten verordnete Maßnahmen durchführen
    (Krankenschwester, Sanitätsdienst, Pflegedienst, ev. Fahrdienst)
  • Gesundheit und Pflege (Selbständig und als Begleitung professioneller Pflege wie Krankenpflege, Kinderkrankenpflege)
    (Krankenschwester, Sanitätsdienst, Pflegedienst)
  • Bereitschaft, falls das Kind die Tagesstätte wegen einer ansteckenden Krankheit nicht besuchen sollte
    (Bereitschaft, selbst betreuen)
  • Arztbesuche, Pflegebedürftige oder kranke Familienangehörige zuhause pflegen oder im Krankenhaus oder Pflegeheim besuchen
    (Krankenschwester, Sanitätsdienst, Pflegedienst)
  • Zu jedem Kind eine vertrauensvolle und einfühlsame Beziehung (Empathie) entwickeln, unabhängig von eigener Befindlichkeit. Es in seinen Eigenheiten kennenlernen und seine Vorlieben, Wünsche, Freunde kennen
    (Betreuung, Therapie)
  • Unterstützung beim Erwerb von Fähigkeiten und Kompetenzen
    (Betreuung, teilweise didaktische Pädagogik)
  • Spielen und Vorlesen, Hilfe beim An- und Ausziehen, der Körperpflege und den Hausaufgaben der Kinder
    (Betreuung, Pflegedienst)
  • Umgang der Geschwister miteinander begleiten und Kinder in der Kommunikation und im Umgang mit Konflikten unterstützen und gegebenenfalls anleiten. Die Fähigkeit unterstützen, eigene Probleme selbst lösen zu lernen (Familienkonferenz).
    (Betreuung, Pädagogik)
  • Eine auf die Begabungen der Kinder angepasste Unterstützung bei Auswahl und Besuch von Nachmittagsaktivitäten, begleiten und transportieren (wenn nötig) von Kindern oder Familienangehörigen
    (Betreuung, Organisation, Fahrdienst)
  • Kindergeburtstagsfeste organisieren und begleiten, jahreszeitliche oder auch religiöse Feste vorbereiten und durchführen
    (Organisation)
  • Eigene Fortbildung durch Teilnahme an Elternkursen, soweit möglich (notwendige Schulungen). Hier fallen auch Gebühren an. Wenn Eltern laut Gesetze zur Erziehung ihrer Kinder verpflichtet sind (z. B. Artikel 6, Absatz 2, Satz 1 GG), sollten die Kosten auch vom Staat vollständig übernommen werden.
    (Die Berufsausbildung z. B. finanzieren Staat und Arbeitgeber. Letztere haben den größten Nutzen)
  • Auswahl der Schulen und Betreuungseinrichtungen, Einschulung, Anhalten der Kinder zum Schulbesuch
    (Schulpflicht)
  • Dialog und Zusammenarbeit mit Lehrern und Betreuern in Schule, in externen Kinderbetreuungseinrichtungen und Kindertagesstätten, Teilnahme an Elternsprechtagen und Elternabenden, Mitarbeit in der Elternvertretung.
    (Betreuung, pädagogische Mitarbeit, Organisation)
  • Im Jugendalter: Unterstützung bei der Wahl von Beruf, Ausbildung bzw. Studium (Patenschaft, Organisation)
  • Kindgerechte Wohn- und Lebensumgebung schaffen, je nach Alter auch in Absprache mit den Kindern, insbesondere Kinderzimmer altersgerecht einrichten und geeignete Bücher, Spiel- und Lernmaterialien ausleihen oder kaufen
    (Organisation)
  • Betreuung behinderter Familienmitglieder: an die Art der Behinderung angepasste Betreuung, möglichst in der Familie, und eine gute Förderung ermöglichen. Dafür sorgen, dass behinderungsbedingte Nachteile ausgeglichen werden
    (Pflegedienst, Betreuung, Organisation)
  • Die Wohnung behindertengerecht ausstatten.
    (Pflegedienst, Betreuung, Organisation, Investitionen)
  • Spagat zwischen dem Dasein als Mama, Frau, Partnerin und Selbstständige jeden Tag neu vollziehen und dabei immer ausgeglichen sein
    (Organisationstalent, pädagogische Fähigkeiten)

Diese Leistungen verlangen viel Kreativität, Selbstsicherheit und Durchhaltevermögen. Das ist wirklich Arbeit, die manchmal hart sein kann.

Kinderbetreuung ist eigentlich hochwertige zwischenmenschliche Beziehungs-Arbeit.