„Oh man, warum muss die Knete denn schon wieder im ganzen Zimmer verteilt werden?“, blaffe ich meinen 4-jährigen Sohn an. „Kannst du stattdessen nicht einfach mal was Sinnvolles tun, zum Beispiel aufräumen?“

Ich drehe mich um und gehe weg. Tränen bilden sich in meinen Augen.

Mist, denke ich, wollt´ ich doch gar nicht!

Am Spiegel vorbeilaufend sehe ich in ein Gesicht, das missmutig dreinschaut.

Meines.

Ich bleibe stehen, beuge mich nach vorne, schaue genauer hin, sehe auf meine Lippen…

… und beginne zu lächeln.

Das Lächeln gilt der kleinen Jenniffer, die in mir wohnt. Der gerade alles zu viel ist, die auf Reserve läuft.

Ich stelle mir vor, wie ich sie auf den Schoß nehme, die kleine Maus mit den hellblonden schulterlangen gelockten Haaren und dem süßen Pony.

Sie ist es, aus der gerade alles herausgebrochen ist. Sie braucht jetzt meine Unterstützung, meinen Halt, meine bedingungslose Liebe und Annahme.

Und die gebe ich ihr: Ich stelle mir vor, wie ich ihr zärtlich übers Haar streichele. Und ihr wohlwollend zunicke.

Als es mir etwas besser geht richte ich mich wieder gerade auf, gehe zurück zu meinem mit Knete wütendem Sohn und sage: „Entschuldige bitte. Ich bedaure meine Ausdrucksweise und den Ton, in dem ich zu dir gesprochen habe. Das war nicht in Ordnung. Ich habe nur die Arbeit gesehen, die dein Spiel mir macht. Stattdessen möchte ich dich fragen: Wollen wir zusammen spielen? Und später dafür gemeinsam aufräumen?“

Solche Beispiele könnte ich aktuell viele schildern.

Doof.

Aber weißt Du, eigentlich kommt es nicht darauf an, dass wir immer perfekt sind, sondern darauf, unser Verhalten und unsere Haltung immer wieder zu hinterfragen.

Das ist sicher nicht unanstrengend, nein. Triggert uns das Verhalten unserer Kinder doch immer wieder und konfrontiert uns mit unseren ganz eigenen schmerzlichen Themen, die geheilt werden wollen.

Unsere Kinder sind unsere größten Lehrer. Sie bieten uns die Chance auf Wachstum.

Immer wieder – bis wir es lernen. 😉