Heute möchte ich ein bisschen in die Vergangenheit reisen. Der Grund ist recht egoistisch: Ich habe das Bedürfnis, wieder einmal in Erinnerungen zu schwelgen, als unser Emil noch ganz klein war. Es scheint Lichtjahre her zu sein, dabei ist er aktuell gerade mal 18 Monate alt.

Meinen ganz persönlichen Weg in seinem ersten Lebensjahr habe ich ursprünglich instinktiv gelebt:

Ich wusste, ich werde ihn niemals schreien lassen.

Ich wusste, ich möchte stillen. So lange wie möglich.

Ich wusste, ich möchte ihn ständig bei mir haben, ihn niemals abgeben.

Ich wusste, dass ich ihn tragen möchte (auch, wenn wir einen Kinderwagen gekauft hatten, weil man das „halt so macht“).

Ich wusste, er soll so nah wie möglich bei uns schlafen.

Wir lebten also dieses Konzept, von dem ich der Meinung war, es sei mein ganz persönliches.

Bis eine liebe Freundin mich aufklärte, dass es sich um „Attachment Parenting“ („Bindungsorientierte Elternschaft“) handele. Irgendwie war ich erleichtert. So konnte ich mir Bücher zum Thema kaufen, konnte im Internet recherchieren und mich mit Gleichgesinnten austauschen. Mein Bauchgefühl hatte jetzt einen Namen. 🙂

Auf der Seite www.attachment-parenting.de wird der Begriff „Attachment“ („Verbundenheit“) zunächst erklärt. Und das so toll, so aussagekräftig, dass ich kein einziges Wort davon verändern möchte. Lies selbst:

„Attachment ist ein spezielles Band zwischen Eltern und Kind; ein Gefühl, das Sie wie ein Magnet zu Ihrem Kind zieht; eine Beziehung, die, wenn sie ganz tief empfunden wird, die Mutter fühlen lässt, dass das Baby ein Teil von ihr ist. Dieses Gefühl ist so stark, dass, zumindest in den ersten Monaten, die ´verbundene´ Mutter sich komplett fühlt, solange das Baby bei ihr ist und sie fühlt sich unvollständig, wenn sie voneinander getrennt sind.“

Das trifft in meinem Fall den Nagel auf den Kopf. Ich habe immer noch das Gefühl, von meinem Sohn abhängig zu sein. Das Wort beschreibt mein Gefühl ziemlich gut. Nach wie vor ist es für mich richtig, bei meinem Kind zu sein, und falsch, wenn er nicht bei mir ist. Deswegen war eine Stunde die längste Zeit, die wir je voneinander getrennt waren.

Aber worum genau geht es beim Attachment Parenting?

Dr. William Sears, ein amerikanischer Arzt für Kinderheilkunde, und seine Frau Martha sind die Begründer des Attachment Parenting. Er benennt die sieben Werkzeuge des Attachments folgendermaßen:

  1. Die Verbindung nach der Geburt

Idealerweise hast Du die Möglichkeit, Dein Kind direkt nach der Geburt auf Deinem Bauch liegend zu bestaunen. Gemeint ist das direkte Bonding, also verbinden. Hautkontakt. Nähe, Nähe, Nähe. So lange wie möglich. Nach einiger Zeit sucht das Baby sogar eigenständig nach der Brust der Mutter und verbindet sich auch dort. 😀

Wer jetzt aber denkt, dass nur direkt nach der Geburt „gebondet“ werden kann, irrt sich. Unser Emil kam sechs Wochen zu früh auf die Welt, und nach 10 Minuten wurde er mir schon wieder vom Bauch weggenommen und auf die Kinderstation gebracht. Ich war am Boden zerstört. So hatte ich es mir nicht vorgestellt. Meine Hebamme beruhigte mich jedoch: Als Emil nach vier Wochen Krankenhaus endlich nach Hause kam war ein Bonding immer noch möglich. Aber auch im Krankenhaus durften wir ab und zu „känguruhen“.

Im nächsten Teil gehe ich auf 3 weitere Werkzeuge ein, nämlich das Stillen, das Tragen und das Familienbett.

Ich freue mich, wenn wir uns dort wiedersehen. 🙂

In den Kommentaren hast Du die Gelegenheit, uns Deine persönliche Bonding-Geschichte zu erzählen, die sicher so individuell wie spannend ist. Danke schon mal für Dein Vertrauen! Bis gleich!