Bist Du der Meinung, dass Dein Kind ausschließlich von Dir lernt, nicht aber auch die Möglichkeit besteht, von ihm zu lernen? Diese 5 Dinge werden Dir das Gegenteil beweisen. Und das ist sicher nur ein Auszug dessen, was möglich ist.

Zunächst aber erzähle ich Dir von uns 🙂

Bevor unser Sohn auf die Welt kam war ich der festen Überzeugung, ich werde mal eine autoritäre, eher strenge Mutter, die klare Regeln vorgibt. Der Leitwolf, dem das Kind zu folgen hat. Die Rechnung habe ich aber ohne meine Muttergefühle gemacht, die auf mich einprasselten, seit ich unser kleines Bündel das erste Mal im Arm hielt. Mal unabhängig von der Oxytocin-Ausschüttung beim Stillen, die diese Muttergefühle zusätzlich verstärkt haben.

Nicht allgemein gesprochen, eher auf unsere ganz persönliche Situation gemünzt, habe ich schon in Emils ersten Lebenstagen von ihm lernen dürfen. Sechs Wochen zu früh geboren, kam er an seinem vierten Lebenstag auf die Intensivstation der Uniklinik. Ihn nicht ständig bei mir zu haben, oder bei ihm sein zu können, hat mein Herz bluten lassen. Ich will nicht wissen, wie es ihm damit ging. Aber er war so tapfer! Während er um sein Leben gerungen hat hörte man kaum einen Mucks von ihm. Im Gegenteil. Wir haben sogar einige Fotos machen können, auf denen er wage lächelt. Sicherlich standen all seine Schutzengel um ihn herum, die ihm Kraft schenkten und dabei halfen, nicht aufzugeben.

Nun aber zu den 5 Dingen, die jeder von uns von seinem Kind lernen darf.

  1. Unser Kind gibt niemals auf

Wenn unsere lieben Kleinen laufen lernen, fallen sie unentwegt hin. Ich habe bei unserem Sohn noch nicht einmal erlebt, dass er frustriert ist, darüber weint oder seinen Kopf in den Sand steckt, nach dem Motto: „Ich schaffe das eh nicht, dann lass ich es halt“. Nein. Er steht IMMER wieder auf. So, als wäre es gar nicht passiert geht’s voller Motivation und Freude weiter.

Wann ist es Dir das letzte Mal so ergangen, dass Du sinnbildlich immer wieder gefallen bist und aufstehen musstest? Bist Du dann aufgestanden oder, Hand aufs Herz, hast Dich entschieden, es einfach sein zu lassen? Winston Churchill hat einmal gesagt: „Never never never give up“ („Gib niemals auf. Nie, nie, nie“). Aufgeben stellt schlichtweg keine Option dar.

Also: Nimm Dir ein Beispiel an Deinem Kind und steh auf!

 

  1. Unser Kind lebt immer jetzt im Moment

Für unsere Kinder ist das JETZT wichtig. Sie denken nicht an morgen. Nicht mal an die nächsten paar Minuten. Sie planen nicht. Sie sind. Sie denken nicht darüber nach, was die Konsequenzen ihres Handelns sein könnten. Oder ob sie sich „zum Affen machen“ oder hysterisch sind. Unsere Kleinen kennen noch keine „inneren Konflikte“. Sie nehmen nur ein Gefühl zur Zeit wahr. Alle anderen, gegensätzlichen Gefühle werden einfach ausgeblendet.

Und warum hat die Natur das so eingerichtet?

Damit unser Kind die vordergründige Emotion leichter wahrnehmen kann.  Empfindungen, die in diesem Augenblick verwirrend sind, bleiben komplett außen vor. Es sind demnach viele Gefühle da, aber nur eins wird wahrgenommen. Sie können also nur im HIER und JETZT leben.

Genau das haben die meisten von uns im Laufe ihres Erwachsenenlebens gänzlich verlernt.

Warum springen wir nicht mal wieder (vielleicht mit Gummistiefeln?!) in einer Pfütze herum und freuen uns darüber? Ohne abzuwägen: Wenn ich jetzt in die Pfütze springe spritzt das Wasser, ich werde nass und mir wird kalt sein, und ich muss nach Hause und mich umziehen, bevor ich krank werde…..

Unsere Kinder haben in diesem Punkt den großen Vorteil, dass sie noch kein „entweder, oder“ kennen. Wir leider schon.

Statt „Nein“ zu sagen überrasche doch das nächste Mal Dein Kind und spring mit ihm gemeinsam in die Pfütze 😉 Das passt auch zu Punkt 4: Begeisterungsfähigkeit.

 

  1. Unser Kind ist fähig zu echter Liebe

Dadurch, dass unser Kleines gegensätzliche Gefühle (entweder, oder) noch nicht kennt, ist es auch nicht in der Lage, uns etwas vorzuspielen. Zu heucheln. Gefühle vorzugeben, die eigentlich ganz anders sind. Kennst Du das auch: Im einen Moment verkauft Dich Dein Kind, im nächsten bist Du sein absoluter Lieblingsmensch? Es denkt nicht darüber nach, welche Gefühle DU dabei hast, ob es Dich eventuell verletzt. Deswegen ist es ja auch so wichtig, dass Du diese akute Ablehnung nicht persönlich nimmst.

Umso schöner sind die Momente, in denen Dich Dein Kind mit all seiner Liebe und seinem Wohlwollen überschüttet. Und das ist 100 Prozent ehrlich.

Also, was können wir hier lernen?

Wieder mehr echte Gefühle zuzulassen! Sehe beispielsweise Deinen Partner an, nehme Deine Gefühle wahr und teile sie ihm mit. Authentisch. Ehrlich. Liebevoll. Und schalte das kleine Teufelchen auf der anderen Schulter aus, das sagt: „Aber eigentlich hat er es gar nicht verdient, dass ich ihm jetzt was Liebes sage, denn er war heute ja auch nicht besonders nett zu mir“….

Wir Erwachsenen haben durch unsere Erfahrungen gelernt, in bestimmten, verletzenden Situationen eine Maske zu tragen. Aus Angst vor Verletzungen panzern und schützen wir uns gegenüber Fremden. Aber nicht nur. Leider auch oft gegenüber den Menschen, denen wir am nächsten stehen. Denn das sind auch die Menschen, die uns am meisten verletzen können, da wir sie nah an uns ran lassen.

Konzentrieren wir uns wieder mehr auf die Dinge, für die wir dankbar sind, so liegt der Fokus auf dem Positiven, nicht auf dem Negativen. Und die echte Liebe kann wieder blühen.

 

  1. Unser Kind ist begeisterungsfähig

Gerade heute wieder durfte ich dies bei unserem Jungen miterleben. Emil war auf meinem Arm, mit Blick über meine Schulter nach hinten. Plötzlich quietscht er, gibt laute Freudenschreie von sich und ruft ekstatisch „da, da, da“. Ein Blick über meine Schulter verriet mir, dass er in der Schale auf dem Schränkchen eine Tomate entdeckt hatte, die er unbedingt haben wollte. Ich weiß nicht, wann ich zuletzt wegen einer Tomate (oder irgendetwas anderem) derart ausgeflippt bin.

Aber warum eigentlich nicht? Wenn Du das nächste Mal etwas wirklich wirklich willst, dann zelebriere doch den Moment, in dem Du Dir diesen Wunsch erfüllst. Und sei es nur eine Tomate.

Im Übrigen: Hast Du es schon einmal wahrgenommen? Begeisterungsfähigkeit steckt auch an.

Jede Mutter kennt die folgende Situation: Man will „nur mal schnell“ den Müll rausbringen und nimmt rasch das Kind mit. Eine Sache, die eigentlich in ein paar Minuten erledigt ist, kann mit Kind schon mal ein wenig bis ziemlich viel länger dauern. Je nachdem, wo die Mülltonnen stehen. Auf dem Weg gibt es ja so viel zu entdecken. Der Gullideckel, der haarklein untersucht wird, die Kieselsteine am Straßenrand, die Grashalme, die abgezupft werden müssen…. Und dann fährt da noch der Postbote auf dem Fahrrad vorbei, der auch noch bei uns anhält um Post in unseren Briefkasten zu werfen.

Nun haben wir zwei Möglichkeiten:

Erstens: Wir drängen unser Kind, weiter zu gehen und sind genervt.

Oder Zweitens: Wir nehmen die Geschwindigkeit raus und erfreuen, ja, begeistern uns ebenso für die kleinen Dinge im Leben. Die Welt wieder völlig neu entdecken. Durch die Brille der Kinder.

 

  1. Unser Kind ist bedingungslos

„Wenn Du das oder das machst, dann hab ich Dich lieb“.

„Und wenn Du das so und so machst, mag ich Dich nicht mehr“.

Vielleicht kennst Du diese Sätze auch?!

Dein Kind denkt so nicht. Es sieht Dich an und liebt Dich. Bedingungslos. Es achtet nicht auf Deine lange Nase, die unreine Haut, die Kilos, die Du zu viel auf die Waage bringst. Ob Du arbeitslos oder Hochschulprofessorin bist ist ihm völlig schnuppe. Sogar Fehler werden großzügig von Deinem Kind vergeben. DU bist die schönste, klügste und tollste Mami auf der ganzen Welt. Für Dein Kind. Es liebt Dich bedingungslos. Ohne Wenn und Aber.

Geben wir unseren Kindern das wieder, was sie uns schenken: Reine, pure Liebe, die nicht an Bedingungen geknüpft ist.

„Ich hab Dich lieb. Genau, wie Du bist!“

Das ist es, was Kinder hören müssen!

Und das ist auch, was Du Deinem inneren Kind mal wieder sagen solltest!

 

Kannst du die Liste ergänzen? Erzähl uns, was Du von Deinem Kind gelernt hast. Ich freue mich über Deinen Input in den Kommentaren.